Ja, manchmal anthropomorphisiere ich.

Das Vermenschlichen von Haustieren führt ja häufig zu den wildesten Diskussionen. Richtig, falsch, gut für’s Tier, schlecht für’s Tier. Diese Diskussion möchte ich an dieser Stelle weder führen noch bewerten. Ich gebe einfach zu, dass ich bei allem Bemühen, meinen Hunden ein gutes, artgerechtes Leben zu bieten, auch anthropomorphisiere. (Das Fremdwort gibt mir an dieser Stelle das Gefühl, dass es nicht ganz so schlimm um mich gestellt ist.)

Habe ich Charlies Diagnose PRA recht gefasst aufgenommen und bin bis heute der Meinung, dass eine fortschreitende Erblindung kein Drama bedeutet, so hatte ich aber auch das Gefühl, ihm noch etwas von der Welt zeigen zu müssen.
Er soll, so lange er noch kann, die schönen Dinge sehen.
Letzten Sommer waren wir zusammen in Italien, er kennt den Gardasee, schwimmt gerne und ist ein “Wassernarr“. Jede Pfütze, jeder Tümpel – wenn er darf, springt er sofort hinein.

Der naheliegende, menschliche Gedanke meinerseits war also: Charlie soll das Meer sehen!
Die Weite des Strandes, das große Wasser, salziger Wind in der Nase.
Mit Lis war ich schon häufiger in den Niederlanden am Meer, sie hatte immer Spaß und ich hatte den Eindruck, dass sie besonders die Dünen mag. Charlie sollte die Möglichkeit haben, dies auch mit allen Sinnen zu erleben.

Also haben wir uns an Neujahr ins Auto gesetzt und sind nach Cadzand gefahren. Und es war unglaublich schön!
Wir hatten Glück mit dem Wetter, sonnig und trocken. Der Wind hielt sich in Grenzen, ein Tag, wie für mich gemacht.
Und meine freudig-aufgeregte Stimmung hat sich sofort auf Lis und Charlie übertragen, als wir in Richtung der Dünen gingen, haben wir Drei mit dem ganzen Körper gewedelt vor Erwartung!
Und als sich dann das Meer vor uns auf tat, bildete ich mir ein, dass Charlie es kaum glauben konnte.
Er ist wie ein Wilder gelaufen, Wettrennen mit Lis, zum Wasser und wieder zurück.
Andere Hunde, andere Menschen, alles war egal, sein Rudel und diese tolle Laufstrecke aus Sand, das war alles, das zählte.

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So sind wir an der Küste entlang gelaufen, die Nase im Wind und nichts als Freude im Kopf. Wir sind herum getollt, haben nasse Füße bekommen und Charlie hat gelernt, dass Salzwasser nicht schmeckt.

Es mag falsch sein zu glauben, dass es Charlie etwas bedeutet, Meer zu sehen. Aber wir hatten einen tollen Tag mit viel Bewegung und neuen Eindrücken, den wir ohne die Diagnose vielleicht so nicht erlebt hätten.
Und es bedeutet mir viel, gute Zeit mit meinen Hunden zu verbringen. Das schweißt uns zusammen, festigt die Bindung.
Und wenn eine Liste von Dingen, die er noch sehen soll, bevor er blind wird, vermenschlichend ist, dann stehe ich dazu. Denn ich bin überzeugt, dass jeder dieser Punkte wieder zu einer guten Zeit für uns führt.

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