(Wahl-) Familie

Was hat Familie bzw. Wahlfamilie mit Hundehaltung oder einer PRA-Erkrankung zu tun? Viel mehr, als man auf den ersten Blick denkt!

Ohne sie wäre vieles sehr viel komplizierter, anstrengender und weniger leicht zu organisieren. Sie unterstützt, schafft Freiräume und gibt Kraft.
Doch warum dieser sperrige Begriff “Wahlfamilie“? Weil es eben nicht nur um Verwandtschaft geht, sondern um die Menschen, zu denen man sich zugehörig fühlt, denen man vertraut und die für einen da sind.

Da wären zum einen meine Eltern, früher selbst passionierte Hundehalter, die heute keinen eigenen Hund mehr haben, aber jederzeit für Charlie und Lis da sind. Die geplant oder einfach spontan auf die beiden aufpassen, wenn ich einen Termin habe, zu dem sie mich nicht begleiten können. Die die beiden ohne Wenn und Aber lieben, auch wenn Charlie manchmal anstrengend ist und Lis meinen Dad gerne mal bei einem Spaziergang einfach stehen lässt und sich auf den Heimweg macht. (Kein Witz, sie hat sich mehrfach im Dunklen davon gestohlen und bellend bei meiner Mutter vor der Türe gesessen. Zum Glück wohnen meine Eltern direkt an einer großen Wiese und sie muss dabei keine Straße überqueren. Meine Mutter hat ihr dann die Türe geöffnet und mein Dad ist mit Charlie später nach Hause gekommen.)

Da ist aber auch mein langjähriger enger Freund, ohne dessen Zusage zur Unterstützung die Entscheidung zum zweiten Hund wahrscheinlich nie gefallen wäre. Wir nennen ihn scherzhaft “Onkel Mick“, da er wie ein Pate für die Hunde ist. Wenn eine Abendveranstaltung ist, passt er auf die Hunde auf, macht sich mit Ihnen einen gemütlichen Abend bei uns. Oder er zieht bei uns ein, wenn es auf Messen geht und hütet Haus und Hunde. Ohne ihn und meine Eltern wäre meine erste Fernreise seit zwölf Jahren nicht möglich gewesen, da er bei uns eingezogen ist und sich die Fürsorge um die Hunde mit meinen Eltern geteilt hat.

Oder aber auch meine sehr gute Freundin, die selber einen Münsterländer hat, aber im Notfall ohne mit der Wimper zu zucken Charlie und Lis bei sich aufnimmt.

Oder meine Beste, die zwar eine Hundehaarallergie hat, aber Charlie und Lis liebt und deshalb stundenlange Treffen samt Hunden klaglos erträgt.

Neben all diesen sichtbaren Hilfen meiner Wahlfamilie gibt es aber etwas, das man nur schwer beschreiben kann, die vorbehaltlose Unterstützung. Alleine der Moment, als die Diagnose PRA gesichert war und ich alle informiert habe: kein falsches Mitleid, keine Zweifel, sondern viele Ideen, wie wir damit umgehen können. Die totale Zuversicht, dass alles gut gehen wird und wir es schaffen, Charlie trotz Erblindung ein angenehmes Leben zu bereiten.
Die Bereitschaft, meine Trainingsansätze mit zu tragen, sich auf ihn einzustellen, mir Mut zu machen, ohne die Erkrankung zu bagatellisieren.

Kurz: Unsere Wahlfamilie ist für uns da.
Und lässt sich auch von einem blinden Hund nicht abschrecken.

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