Von allem das, was zu uns passt

Vor ein paar Tagen habe ich bei miDoggy (eine wirklich tolle Community für Hundehalter, Blogger und Hundemenschen) einen Artikel zum Kunststück „Verbeugen“ gelesen. Die Warnowtatzen haben darin beschrieben, wie sie das Kommando aufgebaut haben: http://www.warnowtatzen.de/2016/03/07/diener/.

Dies ist ein Kunststück oder Trick, den weder Lis noch Charlie beherrschen und ich fange gerade an, diesen Trick für uns aufzubauen. Bei beiden gestaltet sich das schwer, da sie mir gegenüber die Vorderkörpertiefstellung eher selten anbieten. Lis macht das ganz selten, Charlie nur wenn wir toben und da habe ich bisher noch nicht den richtigen Zeitpunkt erwischt, um es zu klickern. Folglich denke ich gerade bei beiden darüber nach, wie ich das Kommando aufbauen und etablieren kann.

In diesem Zusammenhang habe ich festgestellt, dass wir diesen Themenbereich betreffend wirklich flexibel sind. Alle meine Methoden zum Aufbau eines Kommandos (oder der Erziehung generell) folgen keinem bestimmten Trainingsansatz, sondern ich baue alles einzeln und nach Bedarf auf. Natürlich bin ich nicht ganz unbelesen, was das Thema Erziehung angeht, ich habe eine eigene Regalreihe für die Bücher rund um den Hund. Ob Martin Rütter, Jan Nijboer, Dorit U. Feddersen-Petersen, Vilmos Csányi, Udo Ganslosser, Günther Bloch, Patricia B. McConnell, ich habe viele Ansätze rund um das Zusammenleben und Training mit Hunden gelesen. Aber ich stelle fest, dass ich mir daraus immer nur das herausnehme, von dem ich glaube, dass es zu uns passt. Bisher habe ich noch keine „Philosophie“ gefunden, der ich zu 100% folgen kann oder von der ich glaube, dass sie uneingeschränkt richtig für uns wäre.

Natürlich mache ich mir manchmal eine Trainingsplan, gerade bei Charlie und den Dingen, die er noch lernen soll, bevor er blind wird. Und manchmal führe ich sogar eine Art Trainingstagebuch, um selber besser erkennen zu können, wie es läuft und ob die Hunde darauf ansprechen. Aber ich habe es noch nie geschafft, ein Kommando wirklich nach Lehrbuch aufzubauen. Müsste ich meinen Kommando-Aufbau beschreiben, würde ich „kreativ-intuitiv“ wählen.

Es gibt Kommandos, bei denen ich den Hunden vormache, was ich möchte und danach lasse ich sie ausprobieren. So haben wir das mit der Klingel gemacht (https://dreipunktecharlie.wordpress.com/2016/02/03/unfug/). Bei Lis hat das funktioniert, sie wusste direkt, was ich von ihr wollte. Charlie hat mich nur angeschaut und sich gefragt, ob ich nun völlig verrückt bin. Nachdem ich ihn dann mit „touch“ in die richtige Richtung geschubst habe, hat er es auch verstanden.

Der Aufbau von „touch“ war bei beiden auch völlig unterschiedlich. Lis hat damals sofort den „Milchtritt“ angeboten und ich konnte damit das „touch“ aufbauen. Ich habe ein Leckerchen in die Hand genommen, es ihr gezeigt, die Hand verschlossen und einfach gewartet, was sie anbietet. Nachdem Schnüffeln an der Hand nicht zum Erfolg führte, hat sie mit der Pfote nach der Hand geschlagen. Das belohnte ich sofort mit Klicker und Leckerchen und wir hatten einen Übungsaufbau. Einmal etabliert habe ich „touch“ auf andere Gegenstände übertragen und heute schlägt sie auf Kommando nach nahezu allem mit der Pfote.

Bei Charlie habe ich diesen Ansatz auch probiert. Leckerchen in der geschlossenen Hand. Charlie schnüffelt daran, stellt fest, dass ich keine Reaktion zeige und setzt sich abwartend hin. Schaut mich an. Legt sich hin. Verliert das Interesse. Er war einfach nicht dazu zu bewegen, sich irgendein Leckerchen mittels Milchtritt zu erbitten. Auch Pfötchen-Geben war nicht seins und hat mich fast zur Verzweiflung getrieben. Es kam Charlie einfach nicht in den Sinn, dass seine Pfoten zu etwas anderem als zum Laufen und Kratzen taugen könnten. Folglich musste ich umdenken. Ich beschloss also, ihm zuerst Pfötchen-Geben beizubringen und daraus „touch“ abzuleiten. Da er keinen Milchtritt von alleine anbietet, habe ich seine Pfote mit der Hand genommen und angehoben. Dann geklickert und belohnt. Das hatte nach ein paar Wiederholungen den Effekt, dass er die Pfote gehoben hat, wenn ich die Hand davor gehalten habe. Das habe ich nur noch geklickert, wenn er die Pfote in meine Hand gelegt hat. Im nächsten Step habe ich die Hand dann hoch gehalten, wie zum high-five, dass er mehr oder weniger zuschlagen musste. Das habe ich dann mit „touch“ belegt und konnte später meine Hand gegen beliebige Gegenstände austauschen.

Ähnliche gestaltet sich unser Training des „Verbeugens“. Lis halte ich einfach ein Leckerchen unter die Schnute, führe es fast unter ihre Brust, damit sie sich bücken muss und sobald sie die richtige Haltung hat, klickere ich. Ich denke, dass wir auf diesem Wege in den nächsten Wochen ein freies „Verbeugen“ ohne meine Hand und Leckerchen hinbekommen.

Charlie ist hier wieder anders. Gehe ich mit dem Leckerchen unter seinen Kopf, macht er einen Schritt zurück. Er bückt sich nicht. Gleiches Problem, wenn ich den Target-Stick dazu benutze. Er weicht lieber einen Schritt aus, als sich zu bücken. Ich möchte ihn das aber auch nicht mit dem Rücken zu Wand machen lassen, dann könnte er zwar nicht ausweichen, würde sich aber aufgrund der Enge nicht richtig entspannt auf mich einlassen. Und es soll ja Spaß machen. Es fehlt mir also gerade noch am richtigen Ansatz. Weshalb ich aktuell eine Trainingspause einlege und mich darauf beschränke zu beobachten, wann Charlie sich freiwillig verbeugt. Bisherige Erkenntnis: Wenn er mit seinen Kumpels tobt, manchmal, wenn er mit mir tobt und ab und an beim Abtrocknen. Ich hoffe, so ein Gespür dafür zu bekommen, was ihn dazu animiert. Das versuche ich dann abzurufen. Wir werden in den kommenden Wochen sehen, ob ich es schaffe. Und falls ich es nicht schaffe, dann ist der Trick „Verbeugen“ vielleicht kein Trick, der zu Charlie passt und ich suche mir einen anderen aus.

Wir werden natürlich über unsere Fortschritte berichten!

Falls Ihr Euch gerade fragt, warum ich überhaupt solche Tricks mit den Hunden mache, so kann ich das natürlich gerne beantworten: Weil es Spaß macht! Es macht mir Spaß, den beiden etwas beizubringen, es macht den beiden Spaß, sich mit mir zu beschäftigen. Und über Tricks und sonstigen Unfug laste ich sie zudem noch geistig etwas aus. Außerdem ist es toll, wenn wir Kontakt zu Kindern haben. In unserem Freundeskreis gibt es zwei Kinder, die im Umgang mit Hunden sehr vorsichtig bis ängstlich sind. Denen kommt es total entgegen, dass Charlie und Lis gut erzogen sind und von sich aus erst mal keinen Kontakt aufnehmen. Ein liegender Hund ist eben nicht ganz so eindrucksvoll. Und wenn die Kids sich dann auch noch aktiv mit den Hunden beschäftigen können, indem sie unter meiner Anleitung Tricks abrufen und belohnen, dann wirken die Hunde überhaupt nicht mehr angsteinflößend, sondern nur noch lustig. Anfangs war zwar nur die Beschäftigung und Auslastung Grund für die Tricks, aber heute ist die Auswirkung auf den Umgang mit Kindern willkommener Nebeneffekt.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s