Charlie darf (fast) alles.

Charlie ist ein totale Charmeur. Das sieht man ihm, so glaube ich zumindest, auch an. Er schafft es mit seiner Art, jeden um den Finger zu wickeln. Man kann ihm nicht böse sein und ihm eigentlich auch keinen Wunsch abschlagen. Das macht die Erziehung manchmal schwierig, weil ich mich beherrschen muss, konsequent zu sein.

Jetzt hat es aber auch Lis erwischt! Lis ist um Umgang mit anderen Hunden als „wählerisch“ zu beschreiben. Am liebsten möchte sie keinen Kontakt, wenn überhaupt nur zu ruhigen, distanzierten Hunden. Ihr persönliches „Feindbild“ sind Hunde, die ungefragt auf sie losstürmen und ihr quasi ins Gesicht springen. Ich kenne ihre persönliche Distanz und versuche ihr entsprechend Freiräume zu schaffen. In den langen Jahren, die Lis bei mir ist, hat es sich so entwickelt, dass sie die meisten Hunde ignoriert, einige Hunde toleriert und bei wenigen würde ich sogar sagen, dass sie akzeptiert sind und gemocht werden. Aus diesem Grund hatte Lis bei der Auswahl des Zweithundes ein Mitspracherecht, hätte sie Charlie überhaupt nicht leiden können, wäre er nicht zu uns gekommen. Sie war natürlich mit beim Besuch auf Charlies Pflegestelle. Und der erste Eindruck war okay. Sie hat ihn toleriert, er hat ihr aber auch entsprechenden Abstand eingeräumt.

Als Charlie dann bei uns eingezogen ist, hat Lis ihm deutlich gezeigt, was er darf und was nicht. Kontaktliegen war okay, wenn er sich langsam und ruhig angenähert hat. War er aufgeregt oder ist zu ihr ins Körbchen gesprungen, hat sie ihm die Zähne gezeigt. Mit der Zeit hat Charlie verstanden, wo seine Grenzen bei ihr liegen und ganz langsam versucht, diese aufzuweichen. Spielaufforderungen, Anstupser, wildes Gewedel – er hat einfach alle Register gezogen.

Monatelang hat er darum gebuhlt, den Körperkontakt nicht nur auf gemeinsames Liegen, sondern auch auf gegenseitige Pflege (ich nenne es Brutpflege) auszuweiten. Doch wann immer er versucht hat, Lis das Fell zu lecken oder an Ihren Augen und Ohren zu schnüffeln, gab es eine entsprechende Antwort. Ein deutliches Nein. Das hat er tapfer weggesteckt, aber nie aufgegeben. Ich kann die Versuche seinerseits, die ich beobachtet habe, nicht zählen!

Nun hatte er endlich einen Durchbruch und hat Lis letzte Grenze durchbrochen. Und sie hat es sich ohne Gegenwehr gefallen lassen und vielleicht auch ein ganz kleines bisschen genossen. (Könnte Lis sich hier äußern, würde sie das weit von sich weisen.)

Er lag auf dem Sessel und Lis hat sich davor gesetzt. Dann hat er erst vorsichtig eine Pfote in Ihre Richtung gleiten lassen, ganz langsam. Nachdem er das überstanden hatte, hat er den Kopf in ihre Richtung bewegt. Natürlich auch wieder ganz langsam. Immer noch keine Gegenwehr der alten Dame. Charlie sah aus, als könne er es nicht glauben. Und dann endlich: Er durfte an Ihrem Ohr schnüffeln, es sogar nach hinten klappen und ganz kurz daran lecken! Sie hat brav still gehalten und danach hat sie sein Gesicht abgeschnüffelt und sich „revanchiert“. Der Bann ist gebrochen und der gegenseitigen Körperpflege scheint nun nichts mehr im Wege zu stehen.

Brutpflege

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