Der Ausbrecherkönig / Das schnelle Ende der Autobox

Charlie ist ein Ausbrecher, das war von Anfang an klar. Verlasse ich das Haus und ziehe die Türe nur hinter mir zu (weil ich nur kurz zur Mülltonne gehe oder ähnliches), öffnet er die Türe und folgt mir.

Schließe ich die Türe ab, versucht er die Fenster zu öffnen. Einen Hebel hat er bereits erfolgreich umgelegt, weshalb ich nun alle Fenster ebenso abschließe.

Sitzt er bei meinem Vater im Kofferraum, entriegelt er das Trenn-Netz und klettert nach vorne auf die Sitzbänke. 

An unserer alten Textilbox hat er zuerst den Reissverschluss geöffnet. Nachdem ich diesen habe nacharbeiten lassen, hat er schön säuberlich eine Naht der Box aufgetrennt und ist aus ihr heraus geklettert. Also habe ich alle Nähte verstärken lassen. Aber auch das hat ihn nicht abgehalten, er hat dann einfach die komplette Rückwand zerstört.

Man mag denken, dass ich ihn stundenlang mit Lis in der Autobox lasse. Weit gefehlt! Solche Aktionen geschehen auf dem Weg zur Arbeit, Dauer ca. 15 Minuten.

Hier berichtete ich bereits darüber, dass ich eine neue Box angeschafft habe. Eine nicht ganz günstige, stabile Box, die gut in mein Auto passt. Das Training, diese Box zu nutzen, lief nach anfänglichen „Kommunikationsproblemen“ dann auch gut. Er stieg in den vergangenen Wochen freiwillig ein und war immer entspannt und ruhig.

Verdächtig ruhig, wie mir heute klar ist.

Am Wochenende waren wir Drei (Charlie, Lis und ich) in der Lüneburger Heide, ein Bericht über diesen tollen Kurztrip folgt noch. Natürlich sind wir mit dem Auto gefahren, die Hunde in der Box. Nach ungefähr 100 km höre ich, wie der Deckel der Box klappert, Sekunden später sehe ich Charlie im Rückspiegel, dessen Kopf aus der Box heraus schaut. Einen Atemzug später ist er ganz aus der Box heraus, der Deckel fällt wieder zu und er sitzt zwischen Box und Kofferraumklappe.

Also habe ich den nächsten Parkplatz angefahren. Und konnte meinen Augen nicht glauben: Irgendwie hat es der alte Haudegen geschafft, die beiden Verriegelungen seitlich wegzuschieben und die Gitterklappe zu öffnen! Charlie wieder zu Lis in die Box geschickt. Weiterfahren. Nach einigen Minuten auf der Autobahn: Klappern, Kopf im Rückspiegel, Hund draußen. Ich gebe auf, denn ich will Kilometer reißen und lasse ihn einfach dort, wo er ist.

Während unseres Aufenthaltes in der Lüneburger Heide sind wir nur Kurzstrecken mit dem Auto gefahren, auf denen er keine Ausbruchversuche gestartet hat. Ich war also zuversichtlich, was die Rückfahrt nach Hause angeht.

Und wieder hat dieser verdammte Kerl mich kalt erwischt! Bei recht hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn höre ich einen Knall im Kofferraum. Dann einen zweiten. Ich werde langsamer, suche das nächste Hinweisschild auf einen Parkplatz. Schaue in den Rückspiegel und sehe zwei schwarze Ohren. Dann den ganzen Kopf und letztlich wieder den gesamten Hund zwischen Box und Klappe.

Was war geschehen? Ich hatte die Verriegelung etwas verbogen, damit er sie von innen nicht mehr so leicht öffnen kann. Also hier kein Fluchtweg mehr. Die nächste schwache Stelle der Box? Die Klemmen, die das Gitter am Dach befestigen. Zwei von drei Klemmen hat er fein säuberlich zerstört, ich nehme an, das waren die Knallgeräusche, die ich hörte. Die dritte Klemme war dann kein Hindernis mehr, die hat er wohl einfach mit Kraft überwunden.

Ohne die Klemmen konnte ich das Gitter nun nicht mehr an der Box befestigen. Schwankend zwischen Verzweiflung und Stolz stand ich nun da. Und irgendwie musste ich lachen. Charlie hat mich ausgetrickst, sich als wahnsinnig erfinderisch bewiesen und ein deutliches Statement abgegeben, was er von der Box im Kofferraum hält.

Den Rest des Heimwegs hatte ich dann 1. einen glücklichen Hund ohne Box im Kofferraum, 2. eine Lis im Kofferraum, der alles egal ist und 3. genug Zeit, darüber nachzudenken, ob ich es weiterhin mit Box versuche oder nicht. Die Beweggründe für die Box habe ich bereits im Beitrag zur Anschaffung beschrieben und es geht egoistisch um meinen Seelenfrieden. Mein Seelenfrieden scheint aber nicht deckungsgleich mit Charlies Seelenfrieden.

Also gut, mein kleiner Houdini, ich gebe es auf! Lassen wir den Quatsch mit der Box. Betrachten wir die Box einfach rückwirkend als Dein persönliches Intelligenz-Spielzeug und halten fest, dass Du ungeahnte Fähigkeiten entwickelst, um Deinen Kopf durchzusetzen. (Und wirklich, ich bin total stolz auf diese Leistung, deshalb kann ich Dir auch nicht böse sein!)

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12 Gedanken zu “Der Ausbrecherkönig / Das schnelle Ende der Autobox

  1. Pingback: Kurzurlaub: ein Mensch, zwei Hunde, unzählige Momente | dreipunktecharlie

  2. Ein sehr kreativer Hund. Mein Mädchen hat zur Sicherheit ein spezielles Autogitter. Es sperrt nur den Kofferraum zur Heckklappe ab, nach vorne könnte sie theoretisch, aber den Versuch hat sie noch nie gemacht. Gratulation zu deiner Intelligenzbestie.

    Flauschige Grüße
    Sandra und Shiva

    Gefällt 1 Person

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