Kurzurlaub: ein Mensch, zwei Hunde, unzählige Momente

Das Leben ist ein beständiger Wandel. Und damit ich mit solchen Veränderungen gut zurecht komme, benötige ich manchmal eine Auszeit. Zum Nachdenken, Abschalten und Sortieren. Manchmal bringe ich die Hunde dann anderweitig unter, manchmal eben nicht. Und so einen Impuls verspürte ich letzte Woche. Doch wohin? In meiner Kindheit war ich mit meiner Tante in der Lüneburger Heide, auf einem Reiterhof. Ganz klassische Mädchenferien. Daran erinnerte ich mich, als ich über einer Online-Karte von Deutschland saß und nach Orten suchte, die schön, gut mit dem Auto zu erreichen und hundefreundlich sind. 

Entschluss gefasst: Wir drei machen eine Reise dorthin. Ein netter Ort war schnell gefunden, da ich in einer großen Hotelsuchmaschine die Region, das Kriterium „Hunde erlaubt“ und meinen Anspruch an die Kategorie eingab. Viel Auswahl hatte ich nicht. Aber dafür umso mehr Glück.

Die Buchung lief reibungslos, die Anreise mit zwei Hunden wurde durch das Hotel nochmals gesondert per Mail bestätigt.

Auf ging es! Den Feiertag sowie einen Brückentag nutzend konnte ich mich auf 3 Nächte fernab allen Ärgers in einer wundervollen ländlichen Region freuen. Meine Sachen waren schnell gepackt, die Sachen für die Hunde auch, allerdings ist ihre Tasche traditionell größer und umfangreicher als meine.

Die Anfahrt lief (bis auf die Erlebnisse mit der Box im Kofferraum) problemlos und ich checkte am frühen Nachmittag ein. Erste Überraschung: Man war so nett, umsichtig und liebevoll, dass man mir statt eines Zimmer gleich eine Ferienwohnung zum gleichen Preis überließ, damit die Hunde und ich auch genug Platz hatten. Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer, Küche – wir hätten Verstecken spielen können! Der gesamte Empfang war wirklich liebevoll und herzlich, man erklärte mir direkt Spazierwege, klärte mich über den Leinenzwang in Niedersachsen auf und gab mir noch einen „internen Tipp“, wo Freilauf trotzdem möglich sei. Die Hotelbesitzer sind selbst Hundehalter, das merkt man auch an ihrem tollem Umgang mit vierbeinigen Gästen.

Schnell das Gepäck aufs Zimmer gebracht, den Hunden frisches Wasser gereicht und raus in die Natur. Die wirklich überwältigend schön ist. Wir waren umgeben von Rapsfeldern, Wäldern und Heidelandschaft, so weit der Blick reichte. Das Wetter spielte auch die gesamten Tage mit, es blieb kein Wunsch offen.

Wir sind stundenlang spaziert, haben auf Bänken und an schönen Orten verweilt, die Ruhe und den Frieden genossen. Zwischendurch haben wir einen Ausflug nach Celle gemacht und einen nach Bergen, was auch mit den beiden Hunden keinerlei Problem darstellte. Ob Cafe, Boutique oder Gemüsehändler (ich habe Spargel für zu Hause gekauft), überall durfte ich die Hunde nach freundlicher Nachfrage mit hinein nehmen und hatte nie das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Im Auto wollte ich sie übrigens nicht lassen, dafür war es einfach zu warm. Und alleine in der fremden Wohnung behagte mir auch nicht. Also habe ich nur Dinge unternommen, die ich mit Ihnen gemeinsam machen konnte. Motto: Alle oder keiner.

Zum Hotel selber gehört ein wirklich nettes Restaurant mit einer guten Küche. Dort waren wir nicht nur willkommen, sondern die Hunde bekamen vom Kellner persönlich (natürlich nach Rückfrage bei mir) ein Leckerchen! Und zwar nicht nur einmal, sondern bei Frühstück, Abendessen und auch beim Kaffee auf der Terrasse! Kein Wunder, dass die beiden sich noch besser benommen haben, als ich es mir wünschen konnte.

Es war nicht mein erster Urlaub mit Hunden, aber der erste, bei dem ich keine Begleitperson dabei hatte, die mal ein Auge auf die Hunde werfen konnte. Entsprechend war ich gespannt, wie wir in der ungewohnten Umgebung klar kommen würden. Doch alles lief prächtig.

Mit Charlie habe ich direkt zu Anfang die Wohnung abgeschritten, damit er sich orientieren kann. Den Wassernapf auf einem benutzten Hundehandtuch platziert, damit er eine geruchliche Orientierung hat. Ihm das mitgebrachte Spielzeug einzeln aus der Reisetasche gegeben, damit er es in unserem Domizil ganz nach seinen Wünschen verteilen konnte. Das hat er auch umgehend gemacht. Den „Quietsche-Vogel“ ins Wohnzimmer, den Ball in den Flur und das Kauseil ins Schlafzimmer. Alles muss seine Ordnung haben!

Kurzum: Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und Charlie hatte nicht einen Unfall oder Zusammenstoß in der Wohnung, auch nicht bei Dunkelheit. Das macht mir Mut!

Die schönsten Momente neben dem Gefühl des Willkommenseins waren aber die gemeinsamen mit den Hunden in der Natur. Die Wege dort sind so weitläufig, die Wälder so ausgedehnt, dass wir eine gefühlte Ewigkeit laufen konnten, ohne jemandem zu begegnen. Lis ließ ich kaum von der Leine, da sie einfach nicht mehr gut hört (ein akustisches Problem, keines der Erziehung) und ich Sorge hatte, dass ich sie bei „Gefahr“ nicht schnell genug abrufen kann. Charlie lief auch viel an der Leine (besonders im Wald, da ich keine Wildtiere aufschrecken wollte), was aber total entspannt war. Beide Leinen in der linken Hand und locker laufen. Noch nie hatte ich so wenig Zug auf den Leinen wie in diesem Kurzurlaub! Totale Entspannung bei allen Beteiligten. Die Freilaufphasen, die ich Charlie ermöglichte, waren ebenso entspannt. Er blieb nah bei mir, reagierte auf das leiseste Schnalzen und hatte keinerlei Unfug im Kopf.

Zwischendurch haben wir natürlich auch andere Hundehalter getroffen, die meisten führten Ihre Hunde auch pflichtbewusst an der Leine. Eine Dame traf ich jedoch an einem übersichtlichen Feld, die einen acht Monate alten Berner Sennenrüden hatte und sie schlug vor, den Rabauken kurzen Freilauf mit Spiel zu gönnen. Gesagt, getan. Die beiden hatten wirklich Spaß! Als ich dann weitergehen wollte, reichte ein kurzer Pfiff aus und mein Racker kam sofort zurück. Kein Zögern, kein „Ich will aber noch spielen.“, nichts. Ich musste noch nicht einmal unseren Schlachtruf benutzen.

Eine Pause fand ich besonders schön. Wir machten Rast in der Mittagszeit und nachdem ich den beiden etwas Wasser gegönnt hatte, grub Charlie sich im Schatten eine Mulde, in die er sich mit Lis hineinlegte. Mein Dream-Team! Dort schliefen beide ein Stündchen und sammelten neue Kräfte.

Ich behaupte immer, dass die Hunde und ich eine Einheit sind. Dass wir aufeinander eingespielt sind und in jeder Situation funktionieren. Doch ich muss zugeben, dass mich diese Tage in der Heide positiv überrascht haben, wie stark unsere Einheit tatsächlich ist. Selten habe ich mich den Hunden so nahe gefühlt, selten hatte ich den Eindruck, so wenig mit Ihnen kommunizieren zu müssen. Keine Korrekturen, kein Stress. Einfach Entspannung. Ich bin losgegangen, die beiden hinterher. Stillschweigendes Einverständnis.

Ich werde in Zukunft nie wieder überlegen, ob es klug ist, mit einem fast blinden und einem fast tauben Hund alleine Urlaub zu machen. Es ist klug. Und wunderschön!

Zum Schluss noch der Link zum Hotel, falls ich Euer Interesse dafür geweckt haben sollte: Landhotel Michaelishof

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3 Gedanken zu “Kurzurlaub: ein Mensch, zwei Hunde, unzählige Momente

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