Blitz und Donner

In den vergangenen Berichten bin ich nicht mehr explizit auf die PRA eingegangen. Das hängt auch damit zusammen, dass es für uns so normal, alltäglich geworden ist. Charlie ist nachtblind, das haben wir gut im Griff und ein Fremder würde es wahrscheinlich noch nicht mal merken.

Tagsüber ist seine Sehkraft eingeschränkt und wird beständig schlechter. Zum Einen merkt man das an den Reflexionen im Auge, die Augen wirken immer grünlicher. Hier ist davon auszugehen, dass sich die Retina immer stärker reduziert und mittlerweile die Zapfen betroffen sind. (Ich gebe uns noch ein paar Monate bis zur absoluten Blindheit.) Zum Anderen ändert sich sein Verhalten, was meiner Meinung nach auch mit der schwindenden Sehkraft zusammen hängt.

Am 30.05. hatten wir nachts ein schweres Gewitter. Beide Hunde hatten bisher nie Probleme damit, Donner, Blitz und Unwetter haben sie noch nie erschreckt. Ich schlief also selig und ruhig, bis mich ein Hecheln weckte. Ich bin immer wieder erstaunt, dass ich Donner und Lärm ignoriere, aber einer der Hunde nur anders atmen muss, damit ich wach werde. Charlie saß vor dem Bett. Gestresst. Zitternd. Der nächste Donner grollte durchs Tal, Charlie wurde panisch. Hmmm. Das soll man ja nicht verstärken. Also habe ich mir den Bademantel angezogen, Charlie das Halsband übergestreift, Leine dran und raus.

Wir stehen also in einem heftigen Gewitter mit Donner, Blitz und Stark-Regen im Garten. Ich will ihm beweisen, dass das alles nicht schlimm ist. Finde es zwar selber eher unangenehm, weil es zu nass zum Rauchen ist und ich mich anfühle wie ein nasser Lappen, aber ich habe keine Angst und hoffe, dass sich das überträgt. Es klappt. Nach ein paar Minuten ist er so entspannt, dass er sogar pinkelt. Wir gehen rein, legen uns trocken und kriechen wieder in unsere Betten.

Ich habe diesen Zwischenfall mit Carolin Hempel besprochen, die Charlie alternativmedizinisch betreut, da ich ausschließen wollte, dass es an der Reduzierung des Konstitutionsmittels liegt. Hier haben wir von einer täglichen auf eine wöchentliche Gabe umgestellt und bis auf diese eine Gewitter-Ausnahme habe ich keine Auswirkungen der veränderten Gabe feststellen können. Auch Carolin war der Meinung, dass es daran nicht liegen kann. Also habe ich es unter „Wir hatten keine gute Nacht.“ abgehakt. Kann ja mal vorkommen.

Gestern nachmittag hatte ich frei. Herrlich. Wir waren spazieren, haben in der Sonne gesessen und das Leben genossen. Und dann zog ein Unwetter auf. Innerhalb von Minuten war es finster, die Gewitterzelle sehr nah an uns dran bzw. direkt über uns. Und mein kleiner Blindfisch bekam wieder eine Angstattacke. Wir haben uns in den Wintergarten verzogen und ich wollte eigentlich auf dem Sofa lesen, Entspannung verbreiten. Doch Charlie lief auf und ab und zitterte am ganzen Leib. Er hechelte, zuckte bei jedem Donner und wirkte völlig verunsichert. Lis lag auf dem Kissen und schlief tief und fest, doch selbst das beeindruckte Charlie nicht.

Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“ führte er aus, jedoch nur widerwillig und ohne darin zu verharren. Ich habe ihn dann ignoriert, fühlte mich dabei aber auch nicht gut. Ich habe mir ja fest vorgenommen, ihn niemals mit seiner Unsicherheit alleine zu lassen. Also bot ich ihm einen Platz auf dem Sofa an. Ich dachte, Kontaktliegen hilft. Aber auch das fand er nur mäßig gut. Liegt er sonst leidenschaftlich gerne an meinen Beinen, während ich lese und schläft dann tief und fest, so war während des Gewitters keine Ruhe in Sicht. Also habe ich weiter gelesen und einfach versucht, einen Pol der Ruhe zu bilden. Lis auf dem Kissen, ich auf dem Sofa, beide ruhig und tiefen-entspannt und Charlie mittendrin. Nach einigen Minuten hat er sich dann vor das Sofa gesetzt. Das werte ich als Erfolg. Dort hat er dann gesessen, bis das Gewitter abzog und legte sich erst dann entspannt hin.

Diese Phase habe ich genutzt, um ein Video zu machen, auf dem man erkennen kann, wie unruhig er ist.

Einige werden nun denken, dass es so tragisch nun auch wieder nicht ist. Er rennt nicht schreiend in den Keller, liegt nicht unter einem Tisch, aber für mich ist er gestresst. Und da er ein solches Verhalten vor der PRA nicht gezeigt hat, finde ich es auffällig. Also habe ich wieder Kontakt zu Carolin Hempel aufgenommen, da ich ihren Rat sehr schätze. Wir haben das Thema kurz besprochen, ich schickte ihr das Video und bekam wie immer eine kompetente Einschätzung. Sie vermutet (wie ich auch), dass es an der schlechten Sehkraft liegt. Er kann optisch nicht mehr richtig wahrnehmen, was passiert und reagiert umso heftiger auf die Geräusche. Ihr Rat ist, dass ich ihm in solchen Situationen Rescue-Tropfen von Bach geben soll. Diese habe ich heute in der Apotheke besorgt (für Kinder, ohne Alkohol) und beim nächsten Gewitter bekommt er davon 3 Tropfen direkt auf die Zunge. Ich bin gespannt.

Abends war ich dann spazieren und habe nette Bekannte mit ihrem Senioren-Hund Sam getroffen. Diese berichteten, dass sie nachmittags das Haus überhaupt nicht verlassen konnten, da Sam total panisch reagiert. Sie haben sich überlegt, ihn demnächst zu „pucken“ (Wickeltechnik für Säuglinge). Hier haben findige Hersteller Shirts und Mäntel für Hunde entwickelt, die einen ähnlichen Effekt haben sollen. Das klingt doch spannend!

Also, kurze Recherche: Ich will auch pucken!

Am meisten sagt mir im Moment das Shirt von ZenDog zu, das habe ich uns zur Probe bestellt. Ich finde übrigens den Namen ZenDog sehr ansprechend, ich mag Elemente aus dem Buddhismus und finde es gut, dass hier kein gewollt medizinischer Begriff oder Name verwendet wurde.

Wir haben also jetzt zwei Möglichkeiten, ihm diese Veränderung leichter zu machen: Bach-Blüten und ZenDog. Ich werde beide ausführlich testen und darüber berichten.

Und falls Ihr weitere Tipps habt, was ich machen kann, bitte schreibt mir! Ich bin gewillt, alles zu versuchen, ihm seinen Stress zu nehmen.

(Anmerkung: Die Links zu Herstellern setze ich freiwillig, ich erhalte dafür weder Vergünstigungen noch materielle Zuwendung.)

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6 Gedanken zu “Blitz und Donner

  1. Dass Hunde Gewitter nicht mögen, habe ich schon oft gehört. Auch Sätze wie „Ja nicht zuviel streicheln, sonst fühlt sich der Hund in der Angst bestätigt“ (du sagtest es bereits: normal verhalten).
    Das „Einwickeln“ soll an die Enge im Mutterleib erinnern und sich daher behütend anfühlen. Die Autistin Temple Grandin schwört auch darauf; sie hat eine „Squeeze Machine“. Könnte also in der Tat helfen.
    Von Bachblüten kann ich selbst berichten 😀 Ich habe sowohl die Pastillen (Gummibärchenartige Bonbons) als auch die Kugeln (auf die Zunge legen) probiert. Wenn ich etwas zuviel erwische, werde ich ausgelassen. Ich bin ansonsten etwas schläfrig davon geworden.
    Vielleicht Charlie einfach ablenken? Er steht doch so auf sein Spielzeug? Es gibt Völker, die sagen: „Statt ‚Nein‘ zu sagen, damit jemand etwas unterlässt, kann man ihn auch Ablenken, sodass er es passiv unterlässt, weil er mit etwas anderem beschäftigt ist.“ Also Charlie einfach mit Spielzeug überhäufen? Oder es umverteilen, sodass er mit Sortieren beschäftigt ist? 😉

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  2. Pingback: Gewitter-Rückfall | dreipunktecharlie

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