Pucken hilft uns leider nicht

Enthusiastisch war ich. Ein Wickelshirt, Rescue-Tropfen, ich dachte wir wären vorbereitet, das nächste Gewitter konnte kommen.
Und es kam.

Ein lautes, gewaltiges Gewitter mit Blitzen, wie es sie nur an Bergseen geben kann. Wir waren nämlich beruflich unterwegs und die beiden Hunde natürlich dabei. Mit einer Reisetasche, größer als meine. Darin alles, das wir im Alltag benötigen plus besonderes Equipment wie das Puck-Shirt, Globuli und Rescue-Tropfen.
Als sich der Himmel zuzog, habe ich das gesamte Programm abgespult, wie geübt. Ich fühlte mich souverän und gewappnet.
Das Shirt angezogen, schön eng gewickelt. Ihm die Tropfen auf die Zunge gegeben, zudem mit etwas Lavendel um mich herum gesprüht, das kann ja nie schaden. Dann habe ich mir mein Buch geschnappt und der Dinge geharrt, die da kommen mögen.
Und sie kamen. Ein Gewitter wie ein Weltuntergang, das Wasser knöcheltief auf den Straßen und ein ständiges Donnergrollen zwischen den Bergen. Sehr imposant! Ich liebe solche Naturschauspiele!
Lis hat wie immer alles verschlafen, das Wetter interessiert sie grundsätzlich nicht, so lange sie im Trockenen sitzt. Ganz anders Charlie. Lag er eben noch gut gewickelt auf der Decke, sprang er beim ersten Donner auf und geriet in Stress. Hecheln, zittern, herumlaufen. Ich habe ihn dann wieder auf die Decke geschickt, wo er auch blieb. Sabbernd und triefend. Aber keineswegs ruhig und entspannt.
Mission gescheitert.
Über eine halbe Stunde habe ich ihn ignoriert in der Hoffnung, er beruhigt sich. Fehlanzeige.
Ich hasse es, wenn ein Plan nicht funktioniert und ich mich machtlos fühle. Wie erklärt man einem Hund, dass ein Gewitter keine Gefahr für uns darstellt? Über diese Frage wollte ich auf der überdachten Terrasse bei einer Zigarette nachdenken.
Also ging ich raus. Lis schlief weiter. Charlie folgte mir, setze sich neben mich und entspannte. Er hechelte zwar noch, aber deutlich weniger.
Richtig gelesen. Er geht bei Gewitter freiwillig vor die Türe und es scheint ihm dort besser zu gefallen als im Haus.
Da schleppe ich eine komplette Notfallausrüstung mit auf die Geschäftsreise und muss erkennen, dass es reicht, wenn ich zum Rauchen vor die Türe gehe.
Zwei Möglichkeiten zur Erklärung: Charlie ist heimlicher Raucher.
Oder es hat ihn beeindruckt, dass ich bei seiner ersten Angstattacke mitten in der Nacht mit ihm in den Garten gegangen bin.
Sollte das etwa ein neues Ritual sein? Muss ich jetzt bei jedem Gewitter vor die Türe? Dann werde ich in Zukunft einen Neopren-Anzug mit mir herum schleppen, denn ich kann ja nicht immer auf eine überdachte Terrasse spekulieren.

Familienfoto

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4 Gedanken zu “Pucken hilft uns leider nicht

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