Charlie und die Drohne

Ein guter Freund hat sich eine Drohne gekauft. Sofort kam mir die Idee, dass man damit tolle Filme auf Spaziergängen machen könnte. Charlie von oben, Charlie im Tiefflug gefilmt, ich hatte viele bunte Bilder im Kopf. 

Also sind wir gestern Abend mit der Drohne auf eine zusätzliche Abendrunde gegangen. Auf der großen Wiese bei uns um die Ecke wollten wir die Drohne testen und tollste Bilder von den Hunden machen. Die Drohne stellten wir anfangs auf den Boden, zur Startvorbereitung und damit die Hunde sie sich anschauen konnten. 

Lis: Null Interesse.

Charlie: Ein wenig Interesse. 

Start der Drohne. Lis war willkommen unbeeindruckt, Charlie in höchstem Maße irritieren. Warum macht das Ding Geräusche wie ein riesengroßer Bienenschwarm? Warum bewegt sich das? 

Er stand neben mir und es war sehr deutlich zu erkennen, dass ihn die Geräusche der Drohne total nervös machten, aber auch faszinierten. Ich habe dann entschieden, wir machen weiter. Also haben wir die Drohne höher steigen lassen. Charlie stand weiterhin neben mir und hörte in den Himmel. Je weiter weg das Geräusch der Drohne, desto entspannter war er. Kam die Drohne tiefer und näher, flüchtete er umgehend hinter mich. Keine guten Voraussetzungen für tolle Hundefotos. Es sei denn, man steht auf “Hund hinter Knie“ oder “Hund guckt putzig mit eingezogener Rute durch Beine hindurch“. 

Änderung des Plans. Ich setzte mich auf eine nahegelegene Bank, um etwas zu entspannen und das auf Charlie zu übertragen, während die Drohne in unserer Nähe fliegt. Lis lief herum und graste, sie ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Charlie setzte sich zu mir, fand es aber unerträglich, wenn die Drohne näher kam. Dann wollte er auf den Arm. Im wahrsten Sinne des Wortes. 

Wir haben dann abgebrochen und die Drohne in der Nähe landen lassen. Sobald sie auf dem Boden stand und die Rotoren still standen, wollte ich den Hunden das Ding nochmal näher bringen und ihnen die Vorbehalte nehmen. Lis fand es total unspannend, schnupperte daran und verlor sofort jegliches Interesse. Charlie stand daneben und hielt Lis für einen Superhelden. Es schien ihm absolut unverständlich, dass sie das Teil auch noch berührte! 

Ich habe locker 2 Minuten gebraucht, bis er endlich unter meiner Führung die Drohne mit der Nase anstupste und abschnupperte. Dann bin ich auf Abstand gegangen und habe ihn mal alleine machen lassen. Er hat die Drohne umkreist wie ein gefährliches Monster, das gerade schläft. Geduckte Haltung, vorsichtiges Vorantasten, immer im leichten, beschwichtigenden Bogen, fluchtbereit. Und dann endlich, hat er sich todesmutig alleine getraut, die Drohne für eine Millisekunde zu berühren. Ganz alleine! 

Mit diesem Erfolgserlebnis haben wir unseren Ausflug dann beendet. Charlie durfte nochmals an der Drohne schnuppern, als wir sie zu Hause wieder einpackten, das sollte aber dann auch wirklich genügen. Und beim nächsten Mal beeindruckt sie ihn hoffentlich nicht mehr ganz so stark, so dass er sich nach und nach daran gewöhnt. Hoffe ich, denn ich würde wirklich gerne damit Videos von ihm machen. 

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5 Gedanken zu “Charlie und die Drohne

  1. Mir ist noch was – vielleicht etwas verrücktes – in den Sinn gekommen:

    Wie schätzen Hunde Lebewesen oder Objekte ein, z.B. ob sie freundlich oder gefährlich sind?
    Bei Menschen sollte das einfach sein. Egal, wie gut Charlie aktuell sehen kann, er bemerkt Menschen: Wir atmen, lachen, reden, man hört unsere Schritte, das Rascheln einer Jacke, das Klirren einer Gürtelschnalle. Dazu riechen wir. Nach Parfum, Schweiß oder unserem Eigengeruch. Wenn ein Hund sich einem Menschen nähert, wird meist schnell klar, wie er gesinnt ist: Entweder rennt der Mensch schreiend weg (dann hat der Mensch wohl Angst vor Hunden, ergo nicht diesem Menschen nähern) oder er kommt auf den Hund zu, spricht mit sanfter Stimme und streichelt den Hund (guter und ungefährlicher Mensch).

    Was ist mit toten Objekten, z.B. einem Busch? Büsche rascheln und ggf. riechen sie auch. Sie zeigen auf den Hund aber keine Reaktion. Sie beugen sich nicht runter, streicheln ihn nicht. Andererseits zeigen sie aber auch im negativen Sinne keine Reaktion: sie greifen den Hund ja nicht an. Der Hund realisiert also: Der Busch steht einfach da und tut nix, passt.

    Und Drohnen? Drohnen sind irgendwie ein Zwischending zwischen „Lebewesen“ und „Objekt“, zumindest aus Sicht des Hundes: Einerseits können sie starr auf dem Boden stehen und sich nicht bewegen. Sie zeigen keine Reaktion, das ist wieder gut wie schlecht. Aber eine Drohne kann fliegen und Charlie – egal wieviel er aktuell sieht – hört ob die Drohne näherkommt oder nicht, anhand des surrenden Geräuschs, das sie macht. Kommt sie näher, ist er vielleicht verunsichert, weil er nicht weiß: Freund/Feind? Was will es jetzt von mir? Fliegt sie weg, beruhigt ihn das, weil sie so zumindest keine Gefahr darstellen kann.

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    • Wow. Ich möchte Dich als Gastautor. Gute Analyse, die überhaupt nicht abwegig ist. 🙂
      Das leuchtet mir ein, lindert aber leider nicht meinen Anspruch: Wenn ich etwas als ungefährlich einstufe, soll er diese Einschätzung “übernehmen“. In meinen Augen sollte sein Vertrauen in mich, Lis und sein Umfeld so groß sein, dass er die Angst in den Griff bekommt, wenn wir keine haben. Das üben wir ja schon einige Zeit bei Gewitter, die Drohne ist mein nächstes Übungsobjekt. Und das schaffen wir bestimmt, denn er läuft ja heute schon nicht weg, sondern kommt zu mir. 🙂
      Er wird in den nächsten Jahren seines Lebens einfach sehr häufig darauf angewiesen sein, dass er die Einschätzung Freund / Feind bzw. Gefahr / keine Gefahr von mir übernimmt. Das denke ich zumindest..

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      • Sehe ich genauso. Eigentlich bist du der Rudelführer und das Alphatier. Wenn deine Einschätzung ist, dass etwas ungefährlich ist, sollte er dir vertrauen.
        Vielleicht kommt das absolute Vertrauen ja noch 😉

        Eine Idee wäre noch, dass es für ihn einen Unterschied macht, ob sie fliegt oder steht: Wenn sie starr ist, ist sie vielleicht immer ungefährlich und wenn sie fliegt, ist er verunsichert?
        Würdest du die Drohne während des Fluges liebkosen, sodass er sieht, dass du keine Angst hast, wäre es vielleicht gelöst. Aber das geht ja schlecht 😀

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