Charlies ungewollter Ausbruch

Gestern waren wir nach der Arbeit zum Kaffee bei einer lieben Freundin. Diese hat einen großen Münsterländer, Basko. Außerdem ein wunderschönes Haus mit einem sehr großen Garten, der ausbruchsicher eingezäunt ist. Wann immer wir bei Ihr sind, toben die “Jungs“ durch den Garten. Schwimmen eine Runde im Teich, schreiten die Grundstücksgrenzen ab, markieren relevante Punkte und machen, was Rüden halt so tun. Jagen sich, messen ihre Kräfte.

Wir sitzen meist beim Kaffee auf der Terrasse, Lis zu meinen Füßen und beobachten die beiden. So auch gestern. Basko und Charlie drehen ihren Runden, wir quatschen, alles ist herrlich. Wir beobachten, wie Basko und Charlie sich jagen, lachen darüber, dass Charlie den Maschendrahtzaun vor der Hecke zum Nachbarn nicht sieht und immer wieder dagegen rennt. Wir genießen die Sonne und alle haben Spaß. Bis mir auffällt, dass die „Jungs“ auffällig ruhig sind und schon seit einigen Minuten nicht mehr am Tisch vorbei gelaufen sind. Also rufe ich nach Charlie. Keine Reaktion. Zweiter Ruf. Keine Reaktion. Charlie hört wirklich gut, nach zwei Rufen keine Reaktion zu bekommen ist sonderbar. Also stehe ich auf um nach ihm zu schauen. Ich rufe dabei erneut, Basko kommt angeflogen, von Charlie keine Spur.

Nun bin ich diejenige, die mit Basko das Grundstück abschreitet. Und nach wenigen Augenblicken sehe ich Charlie, der auf dem Grundstück des Nachbarn steht und recht verzweifelt wirkt. Ich rufe erneut, in der Hoffnung, dass er den Weg, den er genommen hat, auch wieder als Rückweg nimmt. Aber nein, Charlie steht am Zaun und signalisiert, dass er keine Ahnung hat, was passiert ist.

Ich verlasse also das Grundstück um bei den Nachbarn zu klingeln. Nicht zu Hause. War ja klar. Auf der Vorderseite des Grundstückes gibt es ein Tor für Fußgänger und eines für Autos in der Garageneinfahrt. Beide abgeschlossen. War zu erwarten. Charlie begleitet mich auf der Innenseite des Zaunes um zu sehen, ob ich eine Lösung finde. Keine gangbare. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.

Man stelle sich vor: Sandra kommt von der Arbeit, Hochsommer. Ich trage ein knielanges Kleid, businesstauglich. Und mein Hund hat es geschafft, auf ein Grundstück zu gelangen, von dem es auf einfachem Wege kein Entkommen gibt. Ich entscheide, über eines der Tore zu klettern. Im Kleid. Schaffe es. Stehe nun bei Charlie, bin ansonsten aber kein Stück weiter. Ich kann ihn nicht über die Schulter legen und gleichzeitig klettern. Zum Glück ist mittlerweile der Mann meiner Freundin nach Hause gekommen, den ich bitte, Charlie von der Straßenseite anzunehmen, wenn ich ihn über das Tor hebe. (Ich bin so froh, dass er so leicht ist!) Gesagt, getan. Ich hebe Charlie über das Tor, er wird von starken Armen in Empfang genommen und ist gerettet. Ich klettere so elegant wie möglich auch wieder zurück und Charlie freut sich wie ein Schnitzel, dass wir wieder auf der „richtigen“ Seite vereint sind.

Nachdem wir uns kurz von dieser Aktion erholt haben, haben wir zu Dritt nach dem Loch im Zaun gesucht und letztendlich auch gefunden. Es war sehr klein und der Maschendraht so eingedrückt, dass er einen Trichter zum Nachbarn bildete, der aber von der anderen Seite aus zu eng war, um wieder hindurch zu kommen. Wir vermuten, dass die beiden Rüpel getobt haben, Charlie gegen den Zaun gerannt ist, das Loch dabei entdeckt hat und es für eine tolle Idee hielt, den Aktionsradius zu erweitern. Dass Basko ihm aufgrund seiner Größe nicht folgen kann und es keinen Weg zurück gibt, konnte er nicht ahnen. Und leider ist Charlie nun auch nicht der Hund, der bellt oder jault, wenn etwas nicht stimmt. Er war leider nicht in der Lage zu kommunizieren, dass er Hilfe braucht. Aber da ich feste an seine gute Erziehung glaube und nach zwei Rufen wirklich unruhig werde, habe ich ihn zeitig gefunden. Meinen kleinen Ausbrecherkönig. Ich bin immer wieder fasziniert, wie ein Hund mit so wenig Sehkraft so geschickt sein kann!

Advertisements

5 Gedanken zu “Charlies ungewollter Ausbruch

  1. Haha, die Vorstellung einer Kletterpartie im Kleid klingt auf jedenfall sehr sehr lustig. Ich hoffe, du hast es damenhaft gemeistert 😉
    Ein Münsterländer, der noch größer als Charlie ist? Davon brauchen wir eigentlich ein Beweisfoto 😀
    Immerhin ist er nicht in eine Gefahrensituation geraten. Ich hoffe, DANN würde er bellen!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s