Kinder, Kinder

Charlie ist ein Kindernarr. Er findet kleine Menschen total spannend, ist gerne in ihrer Nähe und liebt es, von ihnen bespaßt zu werden. In unserem Haushalt gibt es keine Kinder, aber wir haben sehr regelmäßigen Kontakt zu den Kindern unserer Freunde. Sogar bei Kleinkindern ist Charlie frei von Fehl und Tadel, er lässt es sich sogar gefallen, wenn ein Knirps aus Versehen mal etwas ruppig wird. Natürlich unterbinden wir das immer umgehend, da wir Hunde und Kinder nie ohne Aufsicht lassen, es ist aber verdammt gut zu wissen, wie tolerant Charlie ist. 

Lis ist ebenso freundlich und zugänglich im Umgang mit Kindern, aber zurückhaltender als Charlie. Bei sehr unruhigen Kindern besteht sie anfangs auf ihren Sicherheitsabstand, den ich ihr immer gewähre und sichere. Erst, wenn sie die Kinder nach einiger Beobachtung einschätzen kann, wagt sie sich auf Tuchfühlung.

Ich habe also das große Glück, zwei Kinder-kompatible Hunde zu haben und Eltern in meinem Umfeld, die ihre Kinder mit meinen Hunden in Kontakt bringen. Bisher hatte ich allerdings immer Bedenken, Charlie von Kindern führen zu lassen. Lis ist klein, zieht nicht und ist wirklich sehr gut leinenführig, sie drücke ich selbst einem Kleinkind in die Hand und gehe nebenher. Charlie jedoch bedarf einer stärkeren Führung, zum Einen aufgrund der Erblindung, zum Anderen zieht er manchmal etwas mehr an der Leine, als es mir gefällt. Und ich finde, Kinder haben eine lockere Leine verdient. Zudem fällt es mir schwer, die Kontrolle über Charlie aus der Hand zu geben.

Vielleicht bin ich, was Charlie angeht, mit einer „Helikopter-Mutter“ vergleichbar. Ich gebe ihn ungerne in fremde Hände und eine Betreuung ist immer besonders „ausgewählt“. Onkel Mick, der die beiden öfter betreut, gehört bei uns zum Haushalt und beide Hunde vertrauen ihm blind. Außerdem ist Mick Hunde-erfahren und nahezu so konsequent wie ich. (Ein paar Naschereien mehr bekommen die Beiden von ihm schon!) Gaby, meine liebe Freundin, die auch schon mal einspringt, wenn Not am Mann ist, ist selber Hundehalterin, absolut konsequent und vertrauenswürdig. Auch ihr gebe ich die Hunde ohne zu zögern. Fehlen noch meine Eltern, dann ist die kurze Liste schon beendet. Mir fällt es schon schwer, Charlie und Lis für einen Spaziergang abzugeben, ich unterbreche lieber eine wichtige Arbeit, als die beiden mit einem Kollegen in den Wald zu schicken. Das hat weniger mit meinen Kollegen zu tun als mit mir. Ehrlich. Ich bin dann einfach unruhig, kann mich nicht konzentrieren und kann es kaum erwarten, dass alle wieder heil zurück kommen. Ja, das ist überbesorgt, aber ich kann nicht aus meiner Haut heraus.

Unser Wochenende am Oderbruch war begleitet von 3 tollen Kindern, alles Jungs im Alter zwischen 9 und 11. Einer der älteren Jungs war total angetan von Charlie und fragte direkt beim ersten Spaziergang, ob er uns begleiten dürfe. Ich drückte ihm Lis in die Hand und wir zogen los. Und was soll ich sagen? Ich war sehr begeistert! Empathisch, verantwortungsbewusst, interessiert und sehr aufmerksam kümmerte er sich um die Hunde. Führte Lis sehr sicher, stellte mir viele Fragen und machte auf mich den Eindruck, ein totaler Profi im Umgang mit Hunden zu sein. (Ist er nicht, er hat keine Hunde und hatte bis vor einiger Zeit sogar eher Angst vor ihnen.)

Nach kurzer Zeit gab ich ihm Charlie und er führte ihn einfach toll. Selbstbewusst, umsichtig und mit einer Routine, die mich beeindruckte. Charlie reagierte super auf seine Führung, orientierte sich total an ihm und obwohl ich in direkter Nähe war, würdigte er mich keines Blickes mehr. Charlie ließ sich total auf ihn ein. Ein Moment, in dem mir das Herz aufging!

Im Anschluss an unseren Spaziergang war Frühstück für die Hunde angesagt. Der junge Mann war wieder so interessiert an Futter, Menge und Ritual (Sitzen, Näpfe auf den Boden, Freigabe über Sicht- und Sprachkommando, dann erst futtern), dass ich ihm die Fütterung kurz erklärt und ihm dann überlassen habe. Perfekte Umsetzung! Ich gestehe, ich bin verliebt in diesen kleinen Hundemenschen!

Mittags haben wir eine gemeinsame Runde mit allen Kindern gedreht und die Jungs haben abwechselnd Charlie und Lis geführt. Alle drei haben das wirklich toll gemacht, aber ich hatte nun schon seit dem Frühstück einen Favoriten. Der Nachmittags fragte, ob er noch eine Runde alleine mit den Hunden gehen dürfe. Am Oderbruch bzw. dem Ort, an dem wir weilten, ist wenig los. Kaum andere Menschen, einen anderen Hund hatten wir auch noch nicht gesehen. Und zu meiner eigenen Überraschung stimmte ich zu.

Die Jungs zogen nach einer kurzen Instruktion (nicht ableinen, Bogen um andere Menschen und Hunde usw.) los. Und ich war sogar relativ entspannt! Natürlich war ich auch etwas erleichtert, als alle nach einer halben Stunde gesund und munter zurück kamen, aber für meine Verhältnisse war ich entspannt.

Abendrunde und Fütterung fanden dann wieder unter meiner Aufsicht statt, aber ich habe den Jungs dabei die Verantwortung übertragen. So war ich dann auch kaum überrascht, dass die beiden älteren am nächsten Morgen völlig selbstverständlich die Morgenrunde und die Fütterung übernommen haben. Ich muss gestehen, ich fand es sogar ganz angenehm! Das fühlte sich an wie Urlaub. Ich war mir sicher, Charlie und Lis sind in guten Händen, die Jungs sind vernünftig und habe einfach losgelassen. Das erste Mal, dass ich Charlie und Lis an Kinder abgegeben habe! Sicher, unser Aufenthaltsort hat die Entscheidung beeinflusst, in der Einsamkeit kann nicht viel passieren. Nichts desto trotz hatte ich auch so ein gutes Gefühl dabei.

Und wie toll es klappt, konnte ich auf der Runde am Mittag nochmals beobachten. Wir gingen alle zusammen, ich habe aber den Jungs die Führung überlassen. Charlie und Lis haben mich kaum beachtet, als ich den Jungs einen Freilauf erlaubte, sind die Beiden sogar auf Zuruf zu den Jungs zurück gekommen. Ich platzte fast vor Stolz! Übertragbare Kommandos und drei tolle Kids, die diese richtig anwenden!

Ich gebe zu, zu Hause oder in der Stadt würde ich Charlie und Lis nicht unbeaufsichtigt mit Kindern spazieren gehen lassen. Aber hier passte einfach alles! Zeit, Ort, Stimmung, Verantwortungsbewusstsein der Kinder. Und dann drücke ich auch mal beide Augen zu, handele nach meinen Gefühl und vergesse sämtliche 40/20-Regelungen. 😉 Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Treffen mit den Jungs.

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2 Gedanken zu “Kinder, Kinder

  1. Schön 🙂

    Ich bin als Kind mit einem sonderbaren Labrador-Dalmatiner-Irgendwas-Mix aufgewachsen (Nachbarshund!) und wir haben viel Unsinn gemacht: Die Nachbarin hat uns nur kurz allein gelassen und stellte im Anschluss fest, dass ihr Schlüsselbund weg war. Tja, ich konnte noch nicht reden, Hund rückte sowieso nie mit der Sprache raus. Am Ende graste die gesamte Nachbarschaft die Umgebung ab – während Hund und Kind unverändert fröhlich durch’s Gras tollten 😀 (Ja, der Schlüssel wurde später am großen Walnussbaum wiedergefunden)

    Generell muss ich sagen: Bei uns musste eher auf mich, als auf den Hund aufgepasst werden. Musste das Hundchen sich nämlich mal dringend erleichtern (und da gab es einen ganz bestimmten Ort für, zu dem sie dann rannte), konnte sie so dolle ziehen, dass ich verzweifelt an der Leine über den Boden geschleift wurde.

    Ich glaube, Hunde können sich im Notfall schon wehren. Sind ja nicht umsonst Raubtiere. Aber ein bisschen behüten und vorsichtig sein ist ja nie verkehrt 😉

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  2. Pingback: Jahrestag bei WordPress | dreipunktecharlie

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