Bemerkenswerte Begegnung

Heute hatten wir eine Begegnung, die in mir während des Schreibens noch nachhallt. Wir haben unsere Mittagsrunde am kleinen Seerosenteich gemacht, dort gehen wir öfter. Ich habe die Hunde gerade abgeleint, weshalb wir alle auf einer Höhe gehen. Dann dreht sich Charlie um, er hat etwas gerochen oder gehört. Ich drehe mich zu ihm um, sehe, dass er wie eingefroren und erstarrt stehen geblieben ist. Ich schaue über ihn hinweg und erfasse augenblicklich den Grund für seine Schockstarre. 

Schockstarre. In die falle ich auch kurz. Wow. Ein Dobermann. Brauner Schlag. Wunderschönes Tier. Der Kopf geht mir locker bis zu Hüfte, ein stattlicher Rüde. Er schreitet langsam und selbstsicher auf uns zu. Einen dazugehörigen Menschen sehe ich weit und breit nicht. Er nähert sich uns.

Nun hat auch Lis verstanden, dass irgendetwas vor sich geht. Sie dreht sich um und: Ebenfalls Schockstarre. Wir sind uns einig, dass dieser Kerl imposant ist!

Nun ist er bei uns. Wir bewegen uns immer noch nicht. Zuerst ist Charlie dran: Er geht geradewegs auf ihn zu, beschnüffelt ihn. Charlie bleibt still stehen. Rührt sich keinen Millimeter, ich bilde mir ein, dass er sogar das Atmen eingestellt hat. Der Dobermann stellt sich seitlich neben ihn, legt ihm den Kopf auf die Schulter. Ich werde nervös. Ich meinen Augen eine sehr dominante Geste, wenn wir nun etwas falsch machen, könnte es „knallen“. Immer noch kein Mensch in Sicht. Charlie hält immer noch still. Der Dobermann dreht sich von ihm weg, geht zu Lis. Ich muss mich beruhigen! Keinen Stress ausstrahlen. „Konzentrier Dich, Sandra!“ Und endlich habe ich einen Gedanken, an dem ich mich festhalten kann: „Warum ist das arme Tier kupiert? Rute und Ohren!“ Sofort schweifen meine Gedanken ab und ich frage mich, warum der Halter das getan hat. Oder ist es ein Hund aus dem Tierschutz, der kupiert „gerettet“ wurde? Mit dieser Ablenkung wird mir ein Atmen wieder möglich. Der Dobermann steht mittlerweile über Lis. Die – Oh Wunder! – die Klappe hält und das dominante Gehabe über sich ergehen lässt. Sie zieht sogar die Rute und den Kopf ein. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie nicht provoziert. Denn gegen dieses stattliche Tier hätten wir drei keine Chance. Lis hat seinen Inspektion überstanden.

Ich denke darüber nach, nun langsam und ohne „Flucht-Ambitionen“ weiter zu gehen, da wendet der Dobermann sich mir zu. Oha. Er stellt sich vor mich, beschnüffelt meine Hose und meinen Mantel. Ich denke an die kupierten Ohren. Atme bewusst. Charlie und Lis stehen immer noch auf ihren Ausgangspositionen und beobachten nun das Schauspiel, wie ich es vorher beobachtete. Keiner von uns mag sich bewegen. Nun, auch ich überstehe seine Inspektion. Er dreht sich um und geht wieder des Weges. Wir schauen ihm noch eine Weile hinterher. Dann gehen wir weiter.

Ich gestehe, ich war fasziniert und erschrocken zugleich. Und habe mich auf dem Rest der Runde immer mal wieder umgedreht, ob der Dobermann uns folgt oder wieder auftaucht. Da er in Richtung Parkplatz gegangen ist, vermute ich, dass er sich dort mit seinem Halter getroffen hat, denn wir haben ihn nicht wieder gesehen.

Grundsätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass ich die Rasse zwar mehrfach nenne, aber mit dieser an sich keine Probleme habe. Dieses besondere Exemplar war jedoch 1. sehr imposant, 2. sehr dominant und 3. ohne Begleitperson unterwegs. Und hat sich benommen wir der Sheriff von Nottingham. Diesem würde ja auch niemand gerne begegnen wollen, wenn er gerade schlechte Laune hat.

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8 Gedanken zu “Bemerkenswerte Begegnung

  1. Ein Hund ohne Halter ist immer komisch, selbst wenn es nur ein Chihuahua ist. Streuner haben wir in Deutschland ja doch eher selten.
    Und klar, je größer, desto gefährlicher. Man weiß ja nicht, ob er ein „Der tut nix“-Hund ist oder ein „DER TUT NIX“-Hund…

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  2. Uff, da wäre ich auch schockgefroren bei so einer Begegnung. Ich weiß nicht ob ich da mit Aaron so viel Glück gehabt hätte. Bei unserem Pech hätte er Aarons als kastrierten Rüden noch interessant gefunden. Dann hätte es wohl gerumst. Unverantwortlich so einen Hund alleine rumrennen zu lassen (völlig unabhängig von der Rasse), aber so eine Ausstrahlung und Benehmen.
    Aber ihr hattet ja Glück und werdet euch wohl noch lange daran erinnern.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron

    Gefällt 1 Person

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