Frohe Weihnachten!

Weihnachten wird dieses Jahr anders. Für Charlie und Lis und auch für mich. Wir verändern Gewohnheiten und machen alles anders, als wir es sonst gemacht haben. Besonders Charlie wird „ins kalte Wasser springen“ müssen, für ihn werden die Feiertage mit Sicherheit aufregend sein. Belaste ich ihn vielleicht damit zu sehr? Sollte ich seiner Erblindung Folge tragen und einfach alles beim Alten belassen? Die Frage stellte ich mir in den vergangenen Wochen öfter und finde keine andere Antwort als: „Wir müssen es zumindest probieren.“

Was ist los, dass bei uns dieses Mal alles anders ist? Eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Oder vielleicht ganz einfach. Das hängt von der Sichtweise ab. Müsste ich es in einem Wort ausdrücken, würde ich sagen, wir sind „verliebt“. 😉 Charlie in seinen FaceTime-Freund, Lis in unsere neuen Ausflüge und die Ruhe beim Autofahren dorthin und ich ebenso in den FT-F. Aber das ist nur ein Aspekt. Ich habe auch gelernt, dass ich Ruhepausen benötige. Nicht immer Vollgas geben kann. Ein Verdienst von Charlie, der auf Stress sehr sensibel reagiert und mich zwingt, ruhiger zu agieren. Aus diesem Grunde werde ich das erste mal seit fünfzehn Jahren während unserer Betriebsferien nicht arbeiten. Bisher habe ich immer zwischen den Tagen im Büro gesessen und vielerlei Dinge erledigt. Damit ist dieses Jahr Schluss! Wir erholen uns.

Änderung 1: Wir feiern das erste mal nicht bei meinen Eltern. Sondern mit dem FT-F, Kindern und Freunden. Komisches Gefühl. Schönes Gefühl. Wie wird Charlie reagieren? Er ist ein Party-tauglicher Hund, die Anzahl Menschen wird ihn nicht stören. Aber vielleicht färbt die nervöse Stimmung (insbesondere der Kinder vor der Bescherung) auf ihn ab? Die ungewohnte Umgebung könnte ihn auch irritieren. Der Tannenbaum wird an einer anderen Stelle stehen als bei meinen Eltern und ist somit eine potentielle Gefahr. Änderung 2: Wir gehen nicht ins Büro und fahren vielleicht sogar ein paar Tage weg. Änderung 3: Wir haben die Adventszeit ausfallen lassen. Außer Hundekeksen habe ich nichts gebacken. Nicht dekoriert. Keinen Adventskranz aufgestellt. Ich hatte einfach nicht genug Zeit.

Ob es den Hunden aufgefallen ist? Ich denke nicht. Und geschadet hat es uns auch nicht. Die freie Zeit, die ich im Advent hatte, habe ich lieber genutzt, um mit den beiden durch den Wald zu streifen, vor dem Kamin zu kuscheln und uns eine schöne Zeit zu machen. Auch einen eigenen Baum werden wir dieses Jahr nicht haben. Wenn wir zwischendurch unterwegs sind, lohnt sich das in meinen Augen nicht. Also, keine Deko, kein Baum, keine selbst gebackenen Plätzchen für mich. Und was ist mit Weihnachtsstimmung?

Weihnachten stimmt mich meist nachdenklich, was sicherlich im Zusammenhang mit dem Jahresende steht. In diesem Punkt bin ich definitiv in Weihnachtsstimmung. Und zwar in richtig guter!

Das sich dem Ende neigende Jahr war turbulent, aufregend, emotional, bunt. Es hat sich viel in unserem Leben geändert. Charlies Erblindung ist im Endstadium. Lis wird immer älter und leider nicht fitter. Und trotzdem bin ich glücklich! Oder gerade deshalb? Natürlich ist es kein Glück, einen Hund mit PRA zu haben. Natürlich ist es kein Glück, einem Hund beim Altern zuzuschauen und zu sehen, wie er abbaut. Aber das Glück liegt in den kleinen Momenten und der Summe derer!

Es ist unfassbares Glück, dass Charlie und Lis mir vertrauen. Wie cool beide mit Ihren Einschränkungen Erblindung und Alterstaubheit umgehen. Wie flexibel die Beiden sich zeigen. Wir verbringen seit diesem Jahr immer mal wieder gemeinsame Zeit in der Großstadt. Und das nicht nur stundenweise. Für Wald- und Wiesenhunde eine echte Umstellung! Da können wir noch so oft für Ausflüge in Köln gewesen sein, ein Hundefreilauf in Berlin ist anfangs ein echter Kulturschock gewesen! Auf dem Weg dorthin trifft man auf Bahnen, Schienen-Reinigungsfahrzeuge mit einem gruseligen Sound, alles ist belebter und hektischer. Zu Hause gehen wir abends über eine menschenleere Straße auf unsere einsame Abendrunde über die Felder. In der Stadt gehen wir über eine belebte Straße (Auch noch in Mitte, da tobt das Leben!) zu einem Park, in dem wir alles andere als alleine sind. Und beide haben sich nach anfänglichem Zögern darauf eingelassen. Machen es mit und haben augenscheinlich Freude. Genießen die Extra-Portion Liebe und Zuwendung von den Menschen, die neu in unser Leben getreten sind.

Weder Charlie noch Lis nehmen es mir krumm, dass im vergangenen Jahr öfter „Onkel Mick“ als Hundesitter zum Einsatz gekommen ist. Sie mögen ihn und es ist ein großes Glück, so einen Verrückten gefunden zu haben, der bei uns zu Hause einzieht und sich liebevoll um Blindfisch und Taube Nuss kümmert.

Es ist ein großes Glück, dass Charlie sich von mir leiten lässt. Ich zeige ihm neue Räume, Gegenden, Umgebungen und er hat den Mut, sich darin zu bewegen. Wir schreiten einen neuen Raum ab, ich zeige ihm Hindernisse, Möbelstücke und was sonst so in Räumen herumsteht und danach orientiert er sich alleine. Nicht immer unfallfrei, aber immer sorglos. So lange er bei mir und Lis sein darf und mit im Schlafzimmer nächtigen darf, ist seine Welt in Ordnung.

Es ist ein großes Glück, dass Lis zwar immer älter wird, aber eben älter wird und noch lange nicht tot ist. Dass sie bei uns ist, Charlie Sicherheit vermittelt und unser Leben mit ihren Eigenarten bereichert.

Es ist ein großes Glück, wie viel Liebe es in unserem Leben gibt. FT-F, Freunde, „Onkel Mick“, meine Familie. Die Verständnis zeigen, dass wir dieses Jahr vieles anders gemacht haben, unser Leben verändert haben und uns trotzdem noch mögen.

Klar werde ich Heiligabend etwas rührselig sein, das Essen bei Mama vermissen, die Rituale. Aber ich werde genauso glücklich sein, weil wir neue Erfahrungen machen. Weil es trotz allem Mist ein verdammt gutes Jahr war. Das spüre ich jeden Abend, wenn wir 3 zu Hause kuscheln. Lis auf meiner rechten Seite, an meinen Oberschenkel gepresst, schnarchend und viel zu warm. Charlie auf meiner Linken Seite, langgestreckt mit Körperkontakt auf voller Länge. Weich, zärtlich und viel zu warm. Ich traue mich nicht, mich zu bewegen, weil ich die Ruhe nicht stören möchte. Und dann kriecht das Glück aus dem Bauch heraus und ich bin zufrieden. Welt, dreh Dich ruhig mit all Deinem Chaos, ich habe meine persönlichen Inseln der Ruhe gefunden, in meinen beiden Hunden und den Menschen um mich herum.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen frohe Weihnachten!

Wir werden wahrscheinlich auch im Blog ein wenig zurücktreten und melden uns dann im neuen Jahr mit ausführlichen Schilderungen, ob Charlie den Baum umgerannt und Lis die Tante den ganzen Abend lang angegrummelt hat.

 

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6 Gedanken zu “Frohe Weihnachten!

  1. Ach, in Summe klingt das doch nach einem sehr guten Jahr! Das Leben ändert sich und auch wenn die meisten es gern geradlinig und ruhig haben: Würde nicht mal was passieren, würde es uns langweilig werden 🙂
    Ich wünsche dir alles Liebe für die Feiertage und viel Spaß in Berlin, auch wenn kein Schnee vorausgesagt wurde (in der Großstadt eher besser so, wird eh nur Matsch!)

    Gefällt 1 Person

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