Ein Besuch, dem keine Überschrift gerecht wird

Ich habe wirklich versucht, eine Überschrift zu finden: „Jungbullen unter sich“, „Tierbeobachtungen bei Wein“, „Ziemlich beste Kumpels bis zum Umfallen“ und ähnliches. Aber nicht eine davon wird dem gerecht, was wir am vergangenen Wochenende mit Stephanie und Enki von The Pell-Mell Pack erlebt haben. 

Die Idee

Stephie ist der Zweibeiner hinter The Pell-Mell Pack und über das Bloggen haben wir uns virtuell kennen gelernt. Anfang des Jahres hatten wir dann die Idee, dass wir uns auch mal real treffen könnte, da wir den Eindruck hatten, dass nicht nur wir, sondern auch Charlie und Enki sich gut verstehen würden. Aus der Idee wurde ein Plan und vergangenes Wochenende war es so weit! Stephie und Enki kamen uns besuchen. Für Charlie und uns der erste Besuch, der mit Hund über Nacht bleiben würde. Insofern war ich schon ein wenig nervös. Würden die Hunde sich verstehen? Und wir Menschen?

Ankunft und spontane Sympathie 

Stephie und Enki reisten Freitagabends an, so dass wir den gesamten Samstag zur Verfügung haben würden. Schon als sie aus dem Auto ausstieg und mit Enki auf mich zukam, wusste ich: „Das passt!“. Ich begrüßte die Beiden zuerst ohne Hunde, das finde ich grundsätzlich entspannter. Dann holte ich Charlie dazu und vom ersten Moment an war klar: Enki und Charlie werden dicke Kumpels. Ein kurzes Abchecken des Gegenübers und schon ging es los! Wildes Toben, durch den Hof, den Garten und wieder zurück. Liebe auf den ersten Blick!

Lis wartete währenddessen im Haus, ich bevorzuge es, Charlie Erstkontakte ohne sie machen zu lassen. Dann ist er wirklich er selbst und nicht durch Lis beeinflusst. Denn im Gegensatz zu Charlie findet Lis Besuch pauschal doof. Da kann noch so ein stattlicher und sympathischer Rüde wie Enki kommen, Lis lehnt es rigoros ab. Sie hat lieber ihre Ruhe und ist weniger gastfreundlich. Ihren Unmut äußerte sie dann auch lautstark, als wir das Haus betraten. Zum Glück lässt Enki sich von so etwas nicht beeindrucken. Er respektiert das Alter, aber nimmt Lis nicht ernst. Er machte einfach mit Charlie einen respektvollen Bogen um sie und konzentrierte sich ganz auf Charlie.

Hin und Her, Rein und Raus, wild und lehrreich

Stephie ist zum Glück sehr entspannt. Sie empfand ebenso viel Freude wie ich daran, dass die beiden „Jungs“ wie die Wilden tobten. Während des Abendessens liefen sie wie Duracell-Hasen von Drinnen nach Draußen, von Links nach Rechts und um uns herum. Sie buddelten im Garten, rangelten im Wohnzimmer und hatten eine Freude, die total ansteckend war. Beiden hing die Zunge bis zu den Pfoten und es war klar, dass sie einen guten Schlaf finden würden.  Ich hatte die heimliche Hoffnung, dass das wilde Spiel am nächsten Tag etwas abschwächen würde, da die Beiden sich dann etwas aneinander gewöhnt hätten. Aber ich lag falsch…

Schon beim Aufwachen strahlte Charlie mich an und war total aufgeregt! Er hatte genau wie ich eine Bewegung in der Küche gehört. Als ich aufstand, war er nicht mehr zu halten und rannte wie von der Tarantel gestochen nach unten! Sein Kumpel Enki war wach! Party on! Und die Rabauken knüpften nahtlos an den Vorabend an. Ab in den Garten, laufen, toben, einander in die Pfoten zwicken, umwerfen, mal Charlie unten, mal Enki unten. Sich an den Ohren ziehen, Kräfte messen. Während des Frühstücks mussten wir die Beiden zwingen, mal eine Pause einzulegen.

Unser erster großer gemeinsamer Spaziergang war eine Freude. Endlich hatte Charlie einen Kumpel gefunden, der mit ihm sein Revier erkundete! Mit stolz erhobenem Haupt und einer unbeschreiblichen Entdeckungsfreude zeigte Charlie Enki seine Lieblingsstrecke. Enki war anfänglich etwas konsterniert, dass Charlie ihm auch seine Pfützen und Badestellen zeigte, Enki ist nicht so der überschwängliche Wasserfreund. Doch bei Wasserloch Nummer 2 war er dann auch dabei und mit allen Pfoten in der Brühe.

Zu Hause revanchierte Enki sich später für diese Führung, in dem er Charlie beibringen wollte, wie ein richtiges Zerrspiel geht! Ich habe oft und bewusst beobachtet, dass Hunde das Verhalten anderer imitieren, aber ich habe zum ersten Mal beobachtet, wie ein Hund sich dieses Verhalten zu nutze macht! Enki hat Charlie eine richtige Lektion erteilt!

Kumpel, ich erkläre Dir, wie das funktioniert! 

Enki veranstaltet mit Luna Zerrspiele, wie Stephie berichtete. Dabei halten beide Hunde ein Kauseil an den Enden fest und ziehen. Das wollte Enki gerne mit Charlie spielen, der zwar ein Kauseil hat, mit diesem auch spielt, aber niemals mit anderen Hunden daran gezerrt hat. Charlie neigt dazu, Dinge aufzugeben. Schaut Lis ihn streng an, überlässt er ihr Futter, Kissen und alles, was sie für sich beansprucht. Folglich nahm er zwar das Seil aus Enkis Mund an, ließ es aber umgehend los, sobald Enki auch nur leicht daran zog. Unfassbar, die Beiden zu beaobachten! Enki, der geduldige Lehrmeister, der Charlie gefühlte 20 Mal das Seil vor die Nase hielt und ihn damit lockte. Enki nahm das Seil auf, hielt es fest, ging zu Charlie und wedelte damit vor dessen Nase herum. Sobald Charlie das Seil annahm, zog Enki leicht daran. Charlie lies wieder los. Gegendruck erträgt er nicht. Enki fing also wieder von vorne an. Und irgendwann hatte er es geschafft: Charlie hielt das Seil fest und Enki konnte daran ziehen! Zwar noch nicht mit der gewünschten Kraft, aber der Grundstein war gelegt.

Ich bin völlig begeistert, dass Stephie und ich dieser Lektion beiwohnen durften. Ein Hund, der einem anderen Hund aktiv etwas beibringt. Enki ist ein toller Lehrmeister!

Weitere Lerneffekte

Charlie hat Sozialkontakte. Er hat Lis, Hunde, die wir auf Spaziergängen treffen und auch Hunde von Freunden, die wir regelmäßig sehen. Aber keiner dieser Hunde hat Charlie so sehr beeinflusst, wie Enki in 40 Stunden. Enki hat ihn ein Stück weit erwachsener werden lassen. Schon nach wenigen Stunden war Charlie weniger zurückhaltend, zeigte während des Kräftemessens auch mal Zähne und war viel mehr Rüpel, als jemals zuvor. Beschränkte sich Charlies Spielen vorher auf wildes Laufen in Kombination mit leichtem Einhüten, so hat er von Enki gelernt, wie ein richtiges Kräftemessen unter Jungrüden funktioniert. Wie man im Spiel seine Kräfte austestet, sich unterwirft, den anderen unterwirft und auch mal rauft. Mit den Köpfen aneinander rasselt, sich an den Ohren zieht und danach wieder Nachlaufen spielt. Das alles ohne ernste Aggression, aber mit Durchsetzungsvermögen und Respekt. Es war eine Freude, die Beiden zu beobachten. Und so verging die Zeit bis Sonntag auch wie im Flug und war gefühlt viel zu kurz.

Abschied

Es war klar, dass Enki uns wieder verlassen würde. Doch wahrhaben wollte Charlie das nicht. Stephie lud Enki ins Auto und fuhr gen Heimat, ich lud Charlie und Lis ins Auto und fuhr in den Wald. Beim Aussteigen suchte Charlie umgehend Stephies Auto, sein Kumpel würde doch bestimmt auch kommen! Auf der Runde drehte er sich fortwährend um, prüfte, ob Enki nicht doch folgen würde. Und er entdeckte die Langsamkeit für sich. Das war unser erster Spaziergang, auf dem Charlie wenig rannte und sehr zurückhaltend war. Nicht nur, weil er sich oft suchend nach Enki umblickte, sondern wahrscheinlich auch, weil er Muskelkater hatte und erschöpft war. Den Rest des Sonntags verbrachte er nämlich schlafend und völlig fertig auf seinem Kissen.

Liebe Stephie, lieber Enki, wir danken Euch für Euren Besuch bei uns! Es war uns eine Freude, Euch kennen zu lernen! Nicht nur das perfekte Zusammenspiel von Enki und Charlie war begeisternd, sondern auch das entspannte Zusammensein der Zweibeiner! Ich habe Deine Gesellschaft genossen und treffe mich jederzeit gerne wieder mit Dir zu einem Wochenende mit Kuchen, Wein, Essen und Plausch mit Hunden!

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15 Gedanken zu “Ein Besuch, dem keine Überschrift gerecht wird

  1. Es war so schön bei Euch! Und schick mir gerne eine Liste, was Charlie noch lernen soll. Wahlweise bringe ich dann Enki oder Luna als Lehrmeister mit. 🙂
    Aber das mit dem Ziehseil war wirklich süß. Wie er ihm das immer wieder vor die Nase gehalten und dann nur ganz sanft Zug aufgebaut hat. So viel Feingefühl hätte ich ihm nicht zugetraut. Hoffentlich bis bald, wir würden uns sehr freuen.
    Herzliche grüße
    Stephie mit dem Enkmops, der sich jetzt wieder mopst

    Gefällt 2 Personen

  2. Ach, wie schön ist das denn zu lesen!
    Sowas hätte ich auch gerne mal! Aber leider sind die Cocker so gar nicht spielfreudig 😦 Das ist soooo schade!
    Aber ich finde es immer wieder faszienierend dass Hundemenschen untereinander echt schnell zueinander finden!!!!
    Diese Sympathie auf den ersten Blick kenne ich auch 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

    Gefällt 1 Person

  3. Ich finde es wunderbar, wenn aus den virtuellen Kontakten, Besuche und mehr entstehen. Auch wir durften das auch erleben und seltsamerweise ist es beim ersten Treffen so, als würde man sich wirklich schon kennen. Möge es für Euch viele Wiederholungen geben….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Road Trip zu unbekannten Freunden ⋆ The Pell-Mell Pack | Hunde Blog

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