Gute Orientierung

In den vergangenen Tagen war recht viel los bei uns: Wir waren ständig unterwegs, haben einer Freundin beim Einzug geholfen und einige Termine gehabt. Charlie und Lis waren natürlich ständig dabei, uns gibt es nur „im Paket“. Besonders beim Umzug meiner Freundin und bei einem abendlichen Termin haben wir uns über Charlie und seine tolle Orientierung gewundert. Er hat nämlich mittlerweile eine Strategie entwickelt, wie er neue Räume erkundet.

Bei unserem abendlichen Termin waren wir in eine Privatwohnung eingeladen, die Charlie noch nicht kannte. Ich habe Charlie und Lis an der Leine hineingeführt, ihre Decke in der Wohnung platziert und die Beiden abgelegt. Nach Absprache mit dem Hausherren habe ich die Beiden dann abgeleint und ihnen erlaubt, aufzustehen. Lis interessiert diese Erlaubnis nicht, sie bleibt lieber gemütlich liegen. Wozu habe ich denn sonst die Decke mitgebracht?

Erkundungstour

Charlie hingegen scheint einen inneren Zwang zu haben, Räume zu erkunden. Er bewegt sich langsam von der Decke weg, leicht geduckte Körperhaltung. Jeder Schritt ist wie ein vorsichtiges Vorantasten, er sieht dabei sehr konzentriert aus. So erkundet er langsam die Wohnung, beschnuppert Möbel und sucht sich passende Laufwege. Wenn er das für den Raum erledigt hat, schreitet er nochmals die gefundenen Laufwege ab und geht dann zur Decke. Auf mich wirkt es, als hätte er nun einen Raumplan im Kopf. Spannend ist, dass er sofort aufsteht, wenn ich den Raum verlasse und hinter mir her läuft. Zielstrebig findet er den Laufweg und umrundet dabei Tische oder Sofas. (Nur, um dann vor dem WC auf mich zu warten.) An diesem Abend hatten wir nur einen „Unfall“, als wir auf die Terrasse gegangen sind. Dort stand eine Liege, die etwas niedriger ist als Charlies Kopf und er hat sie nicht wahrgenommen. So dass er mit Vorderbeinen und Brust dagegen knallte. Mit Scheppern und Erschrecken auf allen Seiten. Charlie war aber cool wie immer: Schüttelte sich, ging einen Schritt zurück und erschnupperte sich das Hindernis. Danach umrundete er die Liege den Rest des Abends souverän.

Zwischen Kartons

Der Einzug meiner Freundin in die neue Wohnung war schon spannender. Als wir ankamen, standen überall Kartons herum. Aufeinander, nebeneinander, mitten im Weg. Charlie war leicht überfordert. Auch hier führte ich ihn an der Leine ins Wohnzimmer, platzierte die Decke und legte beide Hunde ab. Lis blieb wie üblich liegen und schlief, Charlie fing wieder das Erkunden an. Dieses Mal glich es allerdings einem Hindernis-Parcour. Und kaum hatte er einen Stapel Kartons als Hindernis erkannt, wurde dieser weg geräumt. Charlie war folglich die ganze Zeit auf den Beinen und versuchte zu verstehen, was im Raum passiert und wie er sich noch bewegen kann. Nach ein paar Stunden hatten wir die Böden dann weitestgehend frei geräumt, so dass er sich endlich daran machen konnte, die Räume im Endzustand zu erkunden. Besonders die Kinderzimmer hatten es ihm angetan, denn hier gab es immer mal wieder Streicheleinheiten und Zuwendung von den Mädchen für ihn.

Zum Ende hin entschieden wir, noch ein paar Sachen in den Keller zu bringen. Meine Freundin und ich gingen aus der Wohnung, ließen die Türe ins Schloss fallen und gingen hinab in den Keller. Dort angekommen hatten wir gerade das Abteil aufgeschlossen, als Charlie plötzlich hinter uns stand. Er hatte sich selbstständig die Wohnungstüre geöffnet und war uns durchs Treppenhaus gefolgt. Mal eben, einfach so und vollkommen selbstverständlich. Weder Lis noch die Kinder in der Wohnung konnten ihn davon abhalten, uns zu folgen. Die Kinder hatten es noch nicht einmal bemerkt. Ich schwanke in solchen Situationen zwischen Stolz und Ärger. Stolz, weil er mich gefunden hat und dabei nicht (!) die Türe zerkratzt hat. Ärger, weil er keine 2 Minuten in einem fremden Umfeld alleine bleiben kann und seinen Sturkopf durchsetzen muss.

Von Vorteil ist, dass er sich während des Einzugs meiner Freundin in die neue Wohnung bereits an Kartons, die im Weg stehen, gewöhnen konnte. Denn langsam aber sicher geht es bei uns auch los, ich habe die ersten Sachen schon sortiert und die Kartons werden sicherlich in Kürze folgen. Dann kann Charlie beweisen, dass seine Orientierung wirklich so gut geworden ist und er im Umzugs-Chaos unseres alten Zuhauses genauso bestehen kann wie in einer neuen Wohnung.

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8 Gedanken zu “Gute Orientierung

  1. Auf dem Foto sehen Charlies Augen aus, wie große bunte Murmeln.
    Oder weit entfernte Galaxien! *träum* 🙂

    Ich frage mich immer noch, ob er wirklich „vollblind“ ist, oder ggf. noch etwas sieht? Bei „Donna und die blinden Simulanten“ wird ja beschrieben, dass eine gewisse Teilsichtigkeit noch vorhanden ist – wenn sie auch nicht ausreicht, um sich vernünftig zu orientieren.
    Das würde vielleicht erklären, wieso Charlie in der Eifel größere von kleineren Tieren unterscheiden konnte? Oder er hat wirklich mithilfe von Nase und Ohren Möglichkeiten, sich anders zu orientieren.
    Ich sagte ja auch mal: Er sieht aus, wie eine große, plüschige Fledermaus. Und die wiederum nutzen Ultraschall 😀

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  2. Charlie ist wirklich beeindruckend.

    Dieses Gefühl des Zwiespalts, weil Charlie dir in den Keller gefolgt ist, kenne ich auch gut.

    Wenn Tiffi sowas macht, bin ich immer hin und hergerissen zwischen Stolz, weil sie sich getraut hat, Freude, weil ihre Bindung zu mir so gut ist und Ärger, weil sie so klammert und nicht ohne mich sein will.

    Grüße,
    Karen mit Tiffi

    Gefällt 1 Person

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