Wenn die Welt ins Wanken gerät..

… und das meine ich nicht bildlich, sondern wörtlich. Lis Welt wankt seit Montag. Sie hält den Kopf schief, kann nicht geradeaus gehen und hat massive Probleme, das Gleichgewicht zu halten. Verdacht: Vestibularsyndrom. Allerdings fehlt bei Lis das so typische Augenrollen. Was die Diagnose nicht eindeutig macht.

Was ist genau passiert? Charlie und Lis waren zur Betreuung bei Onkel Mick, da ich eine Woche Urlaub machte. Und bei Flugreisen verzichte ich auf die Begleitung der Beiden. Als ich Montags zurück kam, meldete Mick sofort, dass Lis am Morgen Kreislaufprobleme gehabt hätte, diese sich aber bis Mittags gelegt hätten. Ich übernahm also die Zwei und als erstes gingen wir eine kleine Runde spazieren. Dabei wankte Lis stark nach links, verlor immer wieder die Spur und hatte starke Probleme, das Bein zu heben. Ja, richtig gelesen: Lis hebt das Bein und markiert höher als jeder Rüde. Das war ihr aber aufgrund der Probleme mit dem Gleichgewicht nicht möglich. Ich beendete den Spaziergang schon nach wenigen Minuten, rief unseren Tierarzt an und fuhr kurz darauf in die Praxis.

Symptome wie ein Schlaganfall 

Erschreckend für mich ist, dass die Symptome wie ein Schlaganfall beim Menschen wirken: Schiefe Kopfhaltung, Koordinationsprobleme, Probleme beim Fressen und Trinken, Desorientiertheit. Ein für mich nur sehr schwer zu ertragender Anblick.

Unser Tierarzt kennt Lis gut und schon beim ersten Anschauen ihres Gangbildes tippte er auf Vestibularsyndrom. Dies ist eine Störung des Gleichgewichtsorgans, die häufig bei älteren Hunden vorkommt. Leider fehlte ein entscheidendes Element: Das Augenrollen. Hunde mit Vestibularsyndrom rollen wohl kräftig mit den Augen, manche erbrechen oder speicheln stark. Davon zeigt Lis nichts. Es ist also eine Verdachtsdiagnose, aufgrund derer wir zur Zeit behandeln. Lis bekommt Infusionen, Vitamin B12-Tabletten und Karsivan.

Hilflosigkeit

Am schlimmsten ist das Gefühl der Hilflosigkeit, das uns alle Drei zur Zeit befallen hat. Lis fühlt sich hilflos, weil sie ihren Körper nicht mehr im Griff hat. Sie ist anlehnungsbedürftig, unsicher und verwirrt. Charlie ist verwirrt, weil mit Lis etwas nicht stimmt und sie sich komisch bewegt. Und ich fühle mich hilflos, weil ich nicht viel tun kann. Ich versuche, Lis Halt und Ruhe zu geben, kann ihr aber auch nicht helfen, wenn sie beim Absetzen von Urin Probleme hat und umfällt. Ich kann sie aufheben und trösten, mehr nicht. Zur Zeit führe ich sie nur an der Leine, wir laufen kleine Runden im Rentner-Tempo und es zerreißt mir das Herz, wenn sie nach links wankt und dann einfach so umfällt. Ihr fragender Blick dabei könnte Steine erweichen.

Nachts ist sie besonders unruhig, steht auf, tippelt durch das Schlafzimmer, fällt um und geht dann zurück aufs Kissen. Heute habe ich gelesen, dass es betroffenen Hunden helfen kann, ein Licht anzulassen. Das testen wir gleich heute Nacht. Tagsüber liegt sie viel, steht noch nicht einmal auf, solange ich in der Nähe bin. Probleme bereitet ihr auch, dass ich sie ins Auto hebe, da sie zu klein ist, um alleine einzusteigen. Das Hochheben scheint ihr Gleichgewicht noch mehr zu irritieren, setze ich sie ab, purzelt sie sofort um und kann sich nicht auf den Beinen halten. Und dann schaut sie mich wieder mit diesem fragend-vorwurfsvollen Blick an, als sei ich Schuld, dass sie gefallen ist.

Sie schreit Charlie „an“

Charlie ist ein Hund, der Körperkontakt mag. Für ihn ist es normal, sich an Lis zu kuscheln oder sie zu berühren. Sie ist immer sein Orientierungspunkt gewesen, oft läuft er neben ihr und nutzt sie als Führung. Doch seit Montag duldet sie das nicht mehr. Es ist jetzt schon ein paar Mal passiert, dass er sie berührt hat und sie hat richtig laut aufgeschrien. Wahrscheinlich hat sie Angst, dass er sie aus dem Gleichgewicht bringt und sie wieder umfällt. Charlie irritiert das total, er versteht überhaupt nicht, was er falsch mach. Sobald Lis schreit, wird er total nervös, hechelt und speichelt und versucht, sie mit Lefzen-Lecken zu besänftigen. Das macht es aber eigentlich nur schlimmer, da sie den Kontakt nicht erträgt… Also rufe ich ihn zu mir und lenke ihn ab.

Prognose

Falls es das Vestibularsyndrom ist, sollte die medikamentöse Therapie helfen. Nach drei Tagen sollte sich die erste Besserung zeigen, nach zwei Wochen sollten alle Symptome abgeklungen sein. Nur wenige Hunde behalten bleibende Schäden zurück. Heute Nachmittag geht es für uns wieder zum Tierarzt zu einer weiteren Infusion. Ich hoffe, dass es danach aufwärts für uns geht.

Erfahrungen? 

Habt Ihr Erfahrungen damit? Tipps? Wie kann ich Lis unterstützen?

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45 Gedanken zu “Wenn die Welt ins Wanken gerät..

  1. Oh jeeee, arme Lis… hoffentlich kommt ihre Welt schnell wieder in Ordnung. Könnte es auch eine Granne im Ohr sein? Die beeinträchtigt ja vielleicht auch den Gleichgewichtssinn und vielleicht hat sie Schmerzen, wenn Charlie sie berührt.

    Gute Besserung und flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

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  2. Alles Gute euch beiden, eigentlich dreien. Ich habe ja schon bei FB meinen Senf dazu gegeben. Aber zwei Dinge fallen mir hier noch auf: Karsivan mag der Magen nicht so sehr, dadurch kann es zu Übelkeit kommen. Durch die Schieflage kann es aber ebenfalls zu Übelkeit kommen. Wenn Lis Karsivan gut bekommt, ist das toll. Bei Paula war es die Wahl zwischen Pest und Cholera, leider.
    Und das zweite: Mit den Anfällen ging es bei Paula auch mit der Berührungsempfindlichkeit der Haut los. Nach dem zweiten Anfall hat sie sogar geschrien, wenn ich sie streicheln wollte. Ich habe da im Zusammenhang mit dem Vestibularsyndrom nichts gefunden, aber wo du ähnliches auch gerade von Lis beschreibst… Leider hat sich das nur ein wenig gebessert, sie kann nur sehr sanfte Berührungen genießen.

    Herzliche Grüße
    Stephie

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    • Karsivan geben wir erst seit Dienstag. Deshalb kann ich noch nicht sagen, ob es gut oder schlecht ist…
      Also bilde ich mir nicht ein, dass Lis Berührungen unangenehm sind, dazu habe ich nämlich auch nichts gefunden. Frank meinte, „unmotiviertes Schreien“ käme vor, aber auch er kennt den Zusammenhang mit Berührungen nicht. *seufz*
      Vielleicht ticken Paula und Lis da ja ähnlich.
      Grüße sie doch mal lieb mit einem sanften Streichler von uns. 🙂

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      • Meine Tierärztin meinte, es käme von den Schmerzmitteln, die würden so eine Berührungsempfindlichkeit auslösen. Aber erstens war der Zusammenhang mit dem Anfall deutlich und zweitens hat sie da mal wieder längere Zeit keine Schmerzmittel bekommen. Ich muss wegen gastro-intestinaler Blutungen ihr ja immer wieder Schmerzphasen zumuten, da die doofe Kröte auf jedes Schmerzmittel nach einer Weile mit Blutungen reagiert…
        Ansonsten wird experimentell auch noch Cortison gegeben, falls sich in Folge des Anfalls kleine Entzündungsherde gebildet haben. Aber dazu gibt es noch keine belegenden Studien. Wenn sich in zwei Wochen keine Besserung eingestellt hat, wäre das noch mal einen Versuch wert.
        Ich werde Paulchen nachher für dich liebkosen. 😉 Und du verwöhnst Lis bitte mit Käse von mir.

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  3. Wir kennen das und dachten auch es sei ein Schlaganfall. Nico ist nun 13 und er hat gute und schlechte Tage. Er selbst versteht es nicht und überfordert sich oft selbst (Treppen steigen, vom Bett springen…), da kann man ihn anschreien wie man will, so schnell können wir oft nicht reagieren. Wir haben große Angst um ihn, müssen sein Alter aber respektieren. (Habe hier ganz viele liebe Kommentare zu diesem Thema bekommen, die uns zu dieser Einsicht gebracht haben) wir Menschen denken da manchmal zu egoistisch. Wir geben Nico seine Ruhe, ein täglicher 30 minütiger Spazierengang muss aber sein, damit seine Knochen nicht ganz einrosten, zudem bekommt er noch eine Vitamintablette. Er hat immer mal solch einen „Anfall“, von dem er sich meist nach 3 Tagen wieder erholt hat.
    Akzeptieren und die Situation annehmen ist immer leicht gesagt, aber das Beste was du machen kannst. Genießt eure gemeinsame Zeit, das wünsche ich euch und ganz viel Kraft.

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      • Wir selbst waren und sind teilweise noch in solcher Situation. Schau mal hier (hundnico.wordpress.com/2017/07/21/ich-werde-nicht-juenger/) die ganzen Kommentare. Ich habe schon so viele verweinte Nächte verbracht, weil ich es nicht akzeptieren wollte. Nico selbst ist das so gar nicht bewusst, er tut Dinge die er in seinem Alter nicht mehr machen sollte. Wir dürfen uns nicht dagegen wehren, sondern einfach die Zeit noch genießen. Ich weiß, das ist immer so leicht gesagt, aber wir sollten uns später an die schönen Dinge mit unseren Tieren erinnern und nicht an den Schmerz, den sie uns manchmal bereitet haben. Das sind wir ihnen einfach schuldig.

        Ganz liebe Grüße

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  4. Pingback: Tag am Meer | dreipunktecharlie

  5. Unsere Cinda (Golden Retriever, 13 Jahre) hatte vor genau 4 Wochen das Vestibularsyndrom. Sie bekommt seitdem auch Karsivan und Vitamin B12. Am Anfang war es unglaublich schlimm, für sie und für uns. Kaum zu ertragen. Aber sie kämpfte tapfer, Tag für Tag und heute nach 4 Wochen ist sie fast die alte. Sie geht wieder gern spazieren, frisst wieder gut und ist super drauf. Wir kannten die Krankheit bis vor 4 Wochen nicht und waren deshalb total geschockt.

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  6. Unsere Lena hatte mit 14-15 (genau wissen wir es nicht, da wir sie aus dem Tierschutz hatten) 2x Zustände, wo es ihr sehr schlecht ging. Sie erbrach und wurde sehr schwach. Der Tierarzt vermutete, es wäre eine Art Schlaganfall. Sie hat sich davon – mehr oder weniger – erholt, Natürlich war sie schon recht alt und so wurde es immer ein weniger schlechter. Wir haben ihr Karsivan gegeben und später auch Gingko. Das ist ihr ganz gut bekommen und so akute Zustände haben wir nie wieder gehabt. Sie hat danach noch fast 2 Jahre gelebt – ein Geschenk, mit dem wir gar nicht mehr gerechnet haben. Ich wünsche euch alles Gute, viel Kraft und Lis gute Besserung.

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  7. Peetry, unsere 16-jährige Foxterrier-Schnauzer-Oma hatte im letzten Jahr auch 2 solche Schübe. Uns wurde gesagt, dass es wie zu lange Karussell-fahren sei. Mit starker Übelkeit, der Kopf-Schiefhaltung und dem schwankenden Gangbild. Ist wirklich ein trauriges Bild. Beim ersten Mal war’s ca. nach 4-5 Wochen ganz weg, beim 2. ging es weniger lang. Wenn Peetry aus sehr tiefem Schlaf erwacht, hält sie den Kopf noch immer schief. Aber das ist ja noch das kleinste Übel dieser Erkrankung. Leider kann sie schon seit geraumer Zeit gar nichts mehr hören und auch das Sehen bereitet ihr Mühe. Trotzdem erfreut sie sich am Spielen, spazieren gehen und einem gefüllten Hundenapf.
    Gute Besserung für Lis und alles Liebe, Christina

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  8. Das klingt furchtbar 😔
    Ich habe keine Erfahrungen mit dieser Erkrankung, weiss aber, wie hilflos man sich dabei als Halter fühlt. Wir hätten unseren Joker im Mai fast verloren (in einem Alter von nur 3 Jahren), ihm ging es nach den täglichen Behandlungen beim Tierarzt immer schlechter mit seinem Kreislauf- und das, obwohl alles nur ganz harmlos mit Durchfall angefangen hat.

    Ich habe mir damals jede mögliche Fachliteratur, insbesondere zum Thema Tierärztepfusch, besorgt und mich richtig verrückt gemacht vor lauter Hilflosigkeit!

    Das ist zwar leichter gesagt als getan, aber bitte versuche, dass es dir nicht genauso geht 🙂
    Ihr habt immerhin schon mal einen Verdacht und einen kompetenten Tierarzt an eurer Seite!

    Ich wünsche euch ganz viel Kraft und alles Liebe ❤

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